Ausschreibung für das 28. interuniversitäre Sommerseminar für deutsche und japanische Kultur zum Thema:

Unrecht und Betroffenheit \

Ist es überhaupt möglich, die Schmerzen anderer Menschen zu teilen?

 

Das Interuni-Seminar ist ein seit 1979 bestehendes interuniversitäres, interkulturelles und interdisziplinäres Ferienseminar für japanische und deutsche Studierende und Professoren aus verschiedenen Fächern und Hochschulen. Es wird dort auch versucht, den Geist des „Inter-Lernensg zu realisieren, indem man über verschiedene Grenzen von Nation, Kultur, Status (Lehrer/Schüler) und Geschlecht hinweg frei diskutiert. Dort wird nicht nur einfach Deutsch gelernt, sondern vor allem über aktuelle Themen auf Deutsch diskutiert.

Das Thema des diesjährigen Interuni-Seminars lautet: Unrecht und Betroffenheit \ Ist es überhaupt möglich, die Schmerzen anderer Menschen zu teilen?  

Die beiden Begriffe sind sehr schwer ins Japanische zu übertragen. Das Wort „Unrechtg wird allzu oft mit der Terminologie „Fuseig (etwa im Sinne von „nicht richtig seing) übersetzt und dadurch maßlos bagatellisiert. Haben Sie je in Ihrer Umgebung „Unrechtg entdeckt? Was soll man tun, wenn die Gesellschaft, zu der Sie gehören, etwa Ihr Vaterland, anderen Menschen gegenüber Unrecht begeht?  Falls Sie auf das Unrecht aufmerksam werden, dies nicht als irgendein „fremdesg, sondern als Ihr „eigenesg empfinden und darüber nicht mehr hinwegsehen können, so sind Sie davon „betroffeng. Dann könnten Sie sich den Schmerzen anderer Menschen annähern und sie vielleicht als Ihre eigenen verspüren. Worin unterscheidet sich jedoch diese Betroffenheit von „Mitgefühlg oder „Mitleidg?

In einem Zeitalter, in dem überall vom gerechten Krieg und von der Terrorismusbekämpfung lautstark die Rede ist, reichen ethische Empörung und selbstgefällige Emotionsausbrüche wohl kaum, um Probleme zu lösen. Andererseits bleibt jedoch, wollen wir eine lebendige Demokratie erhalten, keine andere Wahl, als dass jedes einzelne betroffene Individuum mit Zivilcourage jedes Unrecht anklagt und zu bekämpfen versucht.

Anhand dieser beiden Begriffe „Unrechtg und „Betroffenheitg soll in diesem 5-tägigen Sommerseminar versucht werden, verschiedene historische, theoretische oder literarische Texte auf Deutsch und Japanisch gemeinsam zu lesen und zu diskutieren und dadurch die Geschichte Japans und Deutschlands nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergleichend zu analysieren. Mögliche Unterthemen sind zum Beispiel: Aufarbeitung der Vergangenheit in Deutschland und in Japan und deren Umgang mit den Nachbarländern, Bürgerinitiativen und -bewegungen seit den 70er Jahren, Probleme von Armut, Diskriminierung und der Kolonialisierungsgeschichte in der Dritten Welt.

Auf dem Seminar sollen zunächst in kleineren Gruppen (mit knapp 10 Studenten) die Texte diskutiert werden, um dann im Plenum gemeinsam weiter zu diskutieren.  Es wird versucht, möglichst durchgängig auf Deutsch zu diskutieren, aber manchmal darf es auch ruhig vorkommen, dass die japanischen Studierenden sich auf Japanisch zu Wort melden oder Fragen stellen. Wenn man diskussionsmüde wird, so bietet die Umgebung hervorragende Möglichkeiten zur Abwechselung an, denn das Hotel liegt direkt vor der Küste des Nojiri-Sees, wo man in der Freizeit so viel schwimmen, rudern, joggen und Rad fahren kann wie man will.

Das Anmeldungsformular zum Interuni-Seminar finden Sie unter: http://web.hc.keio.ac.jp/~skazumi/interuni/nojiri-moshikomi.htm

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und auf die heißen Diskussionen in den 5 Tagen am Nojiri-See!

Das Interuni-Seminar findet vom Samstag 29.7. bis zum Mittwoch 2.8.2006  im Hotoriso-Hotel  (389-1303 쌧㐅SMZK΁@قƂ葑@@@Tel: 0262-58-2606) statt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Organisationskomitee unter: interuni06@gj9.so-net.ne.jp

Ihr Organisationskomitee des Interuni-Seminars

(gez. AIZAWA Keiichi, HAMAZAKI Keiko)