Erfahrungsbericht zum Interuni-Seminar (28.7. - 1.8.2007)

 

Ich möchte hiermit einen Bericht über meine Erfahrungen beim Interuni-Seminar 2007 verfassen. Ich bin Austauschstudent an der Universität Niigata und habe von dem Seminar durch einen Mitstudenten erfahren. Ich habe aus Interesse an dem Thema "Kulturpolitik | wozu und für wen?" sowie aus Neugier gegenüber diesem Seminar und seiner Konzeption teilgenommen. Die Beschreibung von Seiten meines Mitstudenten und die im Internet erhältlichen Informationen regten mich zudem zur Teilnahme an. Da viele Informationen über das Seminar im Internet vorhanden sind, möchte ich mich in diesem Bericht vor allem meine Erfahrungen thematisieren.

Das Interuni-Seminar präsentiert sich auf seiner Homepage als "interuniversitäres, interkulturelles und interdisziplinäres Ferienseminar für die japanischen und deutschen Studenten und Professoren verschiedener Fächer aus verschiedenen Hochschulen". Diese Beschreibung fand ich bei meiner Entscheidung  zur Teilnahme interessant und ich war positiv überrascht, dass diese Beschreibung wahrhaftig den Tatsachen entspricht!

Schon bei der Betrachtung der Teilnehmer-Liste fiel mir auf, dass die Studenten und Lehrenden aus vielen verschiedenen Universitäten kamen. Nicht nur aus Tokyo, sondern auch aus Osaka, Kobe, ja sogar Hokkaido waren Teilnehmer angereist. Bei der Selbstvorstellungsrunde wurde dann auch klar, dass die Studenten in verschiedenen Fachrichtungen studieren und diese Interdisziplinarität eine spannende Mischung für die kommenden Arbeitsgruppen und Diskussionen bieten würde.  Zudem waren drei koreanischen Gästen eingeladen worden. Damit nahmen in diesem Jahr Japaner, Koreaner und Deutsche am Seminar teil.

Das Thema des diesjährigen Interuni-Seminars lautete "Kulturpolitik | wozu und für wen?". Dieses überaus aktuelle Thema wurde über drei Arbeitstage bearbeitet, präsentiert und diskutiert. Zunächst wurde im Vorfeld des Seminars eine Reihe von Basistexten zum Thema an die Teilnehmer gesendet. Durch diese Texte konnte sich jeder Teilnehmer auf das kommende Seminar vorbereiten und eine gemeinsame Arbeitsgrundlage geschaffen werden. Des Weiteren wurden die Texte für die Gruppenarbeit an den einzelnen Arbeitstagen im Vorfeld zur Verfügung gestellt, so dass man bereits im Vorfeld die notwendigen thematischen Vorbereitungen abschließen konnte. Dies zeigte auch gut den Anspruch dieses Seminars. Das Interuni-Seminar "verfolgt das ehrgeizige Ziel, sowohl ein sprachdidaktisches als auch ein themenorientiertes Seminar zu sein mit der Grundüberzeugung, dass eine erlernte Fremdsprache kein bloßes Kommunikationsmittel ist, sondern auch immer Anlass zur kritischen Reflexion über die Kultur sowohl dieser Fremdsprache, als auch der eigenen Muttersprache und über den eigenen Standpunkt."

Diesem Anspruch wurde das Seminar meiner Meinung nach gerecht. Mit den gut vorbereiteten Teilnehmern in den Arbeitsgruppen, den Präsentationen der Ergebnisse der Gruppenarbeit und in die folgenden Diskussionen zusammen zu arbeiten und zu lernen, war eine wichtige und bereichernde Erfahrung für mich.

Die Seminartage waren dabei sinnvoll aufgebaut. Am Tag der Anreise folgte auf die Selbstvorstellungsrunde ein Brainstorming zum Thema, sowie ein Einführungsvortrag mit anschließender Diskussionsrunde. Am ersten Arbeitstag wurde dann das Thema über die Betrachtung der "Funktionen und Aufgaben der Mittlerorganisationen" weiter erschlossen. Hierbei wurden, wie auch an den folgenden Arbeitstagen, die im Vorfeld gelesenen Texte sowie von den Teilnehmern individuell recherchierten Informationen in Arbeitsgruppen diskutiert und zu einer Präsentation zusammengestellt. In den Gruppen waren dabei immer Lehrende oder deutsche Teilnehmer anwesend, die bei Bedarf Hilfestellung geben konnten. Nach Abschluss der Gruppenarbeit wurden die Ergebnisse in Präsentationen den anderen Gruppen vorgestellt und folgend war Zeit für Fragen und Diskussion. Am zweiten Arbeitstag wurde das Seminarthema unter dem Titel "Kritischer Rückblick auf die Geschichte und Kulturpolitik" bearbeitet und am dritten Arbeitstag stand die Gruppenarbeit unter dem Thema eines "Ausblick" zur Kulturpolitik. Am letzten Tag gab es vor der Abreise eine Abschlussdiskussion, die noch einmal Ergebnisse des Seminars zusammenfasste.

Ein weiteres  interessantes Merkmal des Interuni-Seminars sind die Vorträge von Gästen, die eine direkte Verbindung mit dem zu bearbeitenden Thema haben. In diesem Jahr konnte ich zum Beispiel die Vorträge von Frau Kawano (Japan Foundation), Frau Kim (Sungshin Women's University), Frau Gellert (DAAD) und Herrn Buhtz (Goethe-Institut) hören. Die Vorträge, die anschließende Möglichkeit von Fragen und die Diskussion mit diesen interessanten Gesprächspartnern ist ein wichtiger Teil des Seminars. Diese Vorträge sind meiner Meinung nach sehr bereichernd, da sie die Möglichkeit bieten, Informationen aus erster Hand zu bekommen.

Zudem möchte ich auch auf den Ort und auf die Atmosphäre des Seminars an sich eingehen. Der Ort des Seminars ist ein sehr schönes Hotel am Nojiri-ko-See in der Präfektur Nagano. Damit ist dem Seminar eine wunderschöne Umgebung gegeben, die man in den Pausen und am Abend genießen kann. Auch das Feuerwerk am ersten Abend sowie das Abschlussgrillen waren eine schönes Erlebnis.

Die Atmosphäre des Seminars war entspannt, aber zielorientiert. Das heißt, dass ein angenehm lockeres und entspanntes Verhältnis zwischen den Teilnehmern herrschte. In diesem guten Seminarklima wurde dabei hochmotiviert und zielorientiert gearbeitet. Alle Teilnehmer zeigten großes Interesse am Thema und die Gruppenarbeit und die Diskussionen waren daher sehr interessant.

Zum Schluss möchte ich aufzeigen, warum ich denke, dass der Besuch dieses Seminar gerade auch für deutsche Japanologiestudenten zu empfehlen und auch zu fördern ist. Das Seminar ist natürlich vor allem für japanische Deutschlernende im fortgeschrittenen Stadium konzipiert. Dabei ist die Teilnahme von Muttersprachlern aber meiner Meinung nach äußerst bereichernd. Bei den Muttersprachlern handelt es sich aber meist um in Japan lebende Deutschlehrer. Es scheint bisher eher selten der Fall gewesen zu sein, dass in Japan studierende deutsche Studenten aus eigener Motivation als Teilnehmer an dem Seminar teilgenommen haben. Aber gerade diese Art der Teilnahme ist vorteilhaft, da man mit den japanischen Studenten in den Gruppen und den Diskussionen nicht als Betreuer, sondern als gleichberechtigter Teilnehmer zusammen arbeitet. Die Zusammenarbeit ist somit noch intensiver, der eigene Lehrerfolg erhöht sich und die Kommunikation mit den japanischen Teilnehmern ist einfacher.

Im Rahmen des Seminars konnte ich mich mit dem Thema intensiv beschäftigen und durch die Anwesenheit japanischer, deutscher und koreanischer Teilnehmer war eine vergleichende Betrachtung des Themas möglich. Dieser Informations- und Meinungsaustausch zwischen drei Nationalitäten war überaus interessant. Zudem habe ich während des Seminars viele interessante und freundliche Menschen kennengelernt. Im Seminar sind viele Freundschaften entstanden, die in meinem Fall neben Japanern und Deutschen sogar Koreaner mit einschließen konnten.

Das Seminar ist eine seltene und schöne Gelegenheit, Freundschaften und Kontakte zu schließen. Für mich als japanisch Lernender ist der Kontakt zu Deutschlernenden in Japan sehr wichtig. Ich habe in Japan leider die Erfahrung machen müssen, dass viele japanische Studenten zwar Deutsch lernen, die Sprache aber meist nicht benutzen oder nicht benutzen möchten. Aus welchen Gründen auch immer das so ist, möchte ich nicht mutmaßen. Aber es ist für mich insofern ein Problem, dass ich in meinem Studium in Japan  einen Tandempartner benötige, der die deutsche Sprache lernt und benutzen will. Diese Partner sind leider selten. Aber beim Interuni-Seminar kann man mit Japanern Kontakt schließen, die auf einen hohen Level die deutsche Sprache beherrschen und zudem motiviert sind, diese Sprache zu benutzen. Auch der Kontakt zu Deutschlehrern oder Wissenschaftlern in Japan ist bei diesem Seminar möglich.

Zusammenfassend ist das Interuni-Seminar in Japan eine einzigartige Gelegenheit. Eine einzigartige Gelegenheit, sich in Japan in deutscher (teilweise japanischer) Sprache intensiv mit einem interessanten Thema zu beschäftigen und das zudem mit interessierten, hochmotivierten Teilnehmern aus verschiedenen Ländern und spannenden Gastrednern bei entspannter Atmosphäre und in wunderschönen Umgebung. Das Seminar ist eine einmalige Form des Kulturaustauschs, der nicht nur Japanern ermöglicht, in deutscher Sprache über Deutschland und Japan zu lernen, sondern dies eben auch deutschen Studenten ermöglicht.

Ich persönlich möchte diese Erfahrung nicht missen und würde mich freuen, wenn es in Zukunft mehr deutschen Studenten möglich ist, am Interuni-Seminar teilzunehmen.

M. Wandt