Begeisterung - Das 30. Interuniseminar am Nojirisee (2. - 6. Augst 2008)

 
Frau Prof. Choi, Yun-Young (Nationale Universität Seoul)


Ich bin nun zu meinem Alltag in Seoul zur
ückgekehrt und kann schwer glauben, dass ich eine Woche lang eine so schöne Zeit am Nojiriko hatte. Die Begeisterung war perfekt: der wunderschöne Nojirisee vor dem Hintergrund der japanischen Alpen, Ruderbote, ausgezeichnet geplante Programme, beste Organisation, leckeres Essen etc. Vor allem das Engagement der Studenten begeisterte mich: Die Teilnehmer waren gern bereit, sich durch ihre aktive Teilnahme gegenseitig zu begeistern und sich begeistern zu lassen.

Wenn man etwas als perfekt bezeichnet, sollte man zwar lieber schweigen und genießen, aber ich möchte gerne einige Punkte nennen, die ich besonders wunderbar fand, und zwar mit dem Wunsch, dass sie im Interuniseminar in der Zukunft so fortgesetzt werden mögen.

Erstens, die Themenauswahl und die Programme. Ich habe bisherige Themen des Interuniseminars angeschaut und finde sie alle sehr kreativ und aktuell. Das diesmalige Thema Ergriffenheit war ebenfalls hoch interessant. Aus dem Thema, dem Programm und aus den gesammelten Lektürematerialien kann man ersehen, wie viele Mühen die Organisatoren und teilnehmenden Lehrer eingesetzt haben, um das Seminar zeitgemäß und dem Geiste des Interuniseminars gemäß zu gestalten. Das Thema wurde in verschiedenen Gebieten wie Philosophie, Psychoanalyse, Literatur, Politik, Kunst, Massenmedien und nicht zuletzt anhand des neuesten Kulturphänomens der Koreabegeisterung erörtert. Platon, Aristoteles, Werther, Tonio Kröger oder Freud und Brecht und sogar der japanische Premierminister Koizumi sowie "Yonsama" waren Figuren, über die man jeden Tag sprach.

Zweitens das Engagement der Teilnehmer. In fast allen Sitzungen übernahmen die Hauptrollen die studentischen Teilnehmer, die sich mit Leidenschaft beteiligten. Die Lehrer sahen den Sitzungen ganz der Tradition entsprechend in ihrer Helferrolle zu und gestanden nachher, dass sie ohne das Interuniseminar nicht geworden wären, was sie heute sind. Das Interuniseminar ist nicht nur produktiv sondern auch gut geeignet für die asiatische Lernsituation, wo die deutsche Sprache mit großer Motivation und mit besonderem Engagement erlernt wird. Es genügte nicht, dass die Studenten ihre Texte gut verstanden, sie sollten darüber hinaus ihre Ergebnisse in Gruppenarbeiten präsentieren und sich mit den anderen Teilnehmern verständigen können. Es war ebenfalls bemerkenswert, dass die Studenten dreimal in einer jeweils anderen Gruppe arbeiten konnten. Am letzten Tag waren die Präsentationen nicht nur was die Ideen, sondern auch was die Art der Vermittlung betraf, ausgezeichnet.

Drittens das Zusammenleben im Interuniseminar. Die Teilnehmer waren aus Japan, Deutschland und Korea gekommen, und die Studiengänge,  Motivationen, Zukunftspläne und Sprachkenntnisse waren recht unterschiedlich. Das Hotori-So fungierte wie ein Zauberberg mit dem Interunigeist, in dem alle Generationen ihr Wissen, ihre Meinungen, Erfahrungen und Gefühle in friedlicher Form austauschten.

Diesmal durfte ich zusammen mit zwei koreanischen Studenten an dem Seminar teilnehmen. Alle Teilnehmer haben erfahren, wie leicht sich die jungen Leute auf Deutsch verständigen konnten. Deutsch war dabei eine Kultursprache und Freundschaftssprache. Die Diskussionen waren nicht nur in den Seminaren, sondern auch auf dem Boot, beim Essen und während der Ausflüge lebhaft.

Es gibt bereits einige wissenschaftliche Foren im ostasiatischen Raum, in denen man auf Deutsch kommunizieren kann. Aber es gibt kein schöneres, folgenreicheres Forum als das Interuniseminar, wo man die Zukunft der deutschen Sprache in Ostasien erfahren und fördern kann.

Zum 30. Interuniseminar gratuliere ich noch einmal zu seinem großen Erfolg und hoffe, dass es auch zukünftig so fortgesetzt wird. Mein weiterer Wunsch wäre, dass das Interuniseminar ebenfalls einmal in Korea stattfinden und somit der Dialog mit jungen deutschen und japanischen Gästen weitergeführt werden könnte.