Berichte der Praktikantinnen und Praktikanten zum 31. Sommerseminar 2009

Bericht I

Eher zufällig bin ich durch eine Bekannte auf das Interuni-Seminar aufmerksam geworden. Das Thema „Ambivalenz des Fremden: Reiz der fremden Kultur, Angst vor dem Anderen“ weckte sogleich mein Interesse. Dies aus dem einfachen Grund, weil ich mich durch meine Studium der „Regionalwissenschaft Japan“ an der Universität Bonn fortwährend mit Japan als einer fremden Kultur beschäftige und mich diese Ambivalenz sehr beschäftigt.

Durch die Teilnahme am Interuni-Seminar als Praktikant wurde es mir möglich die seltene Chance zu ergreifen mit japanischen Studenten für fünf Tage gemeinsam zu leben, zu arbeiten und voneinander zu lernen. Nach den fünf Tagen, die wie im Flug vergingen, habe ich durch den intensiven und vielseitigen Kontakt nicht nur mit den japanischen Teilnehmern, sondern auch mit den koreanischen Gästen und deutschen Teilnehmern viel über das „Fremde“ lernen können.

Die Lehrkräfte wie auch die Studenten kamen von unterschiedlichen Universitäten, wobei die Teilnehmer aus dem Raum Tokio am zahlreichsten waren. Weiter gehörten die japanischen Studenten verschiedenen Jahrgängen an, was ein neues Jahrgang übergreifendes Miteinander möglich machte.

Die Seminar-Tage waren reichhaltig gefüllt: Der größte Teil machte die Gruppenarbeit aus, in welcher die Praktikanten am ersten und dritten Arbeitstag mit den japanischen Studenten unter der Moderation einer deutschen und japanischen Lehrkraft die zum Teil sehr anspruchsvollen Texte zum Seminar-Thema besprachen. Zum Teil waren diese Texte, die schon vorher von den Studenten vorbereitet waren, nur Basis für sehr interessante Diskussionen. So wurde an einem Vormittag zum Beispiel sehr kontrovers über die Themen „Todesstrafe“ und „Sterbehilfe“ diskutiert. Am zweiten Arbeitstag stand morgens eine Gruppenarbeit auf dem Programm, in welcher die Studenten zum Thema „Japan im fremden Blick“ einen eigenen Beitrag erarbeiten sollten, der am Morgen des letzten Tages den anderen Teilnehmern vorgestellt wurde. Diese Gruppenarbeit fand ohne Anleitung der Lehrkräfte statt, wodurch sich in meiner Gruppe eine sehr engagierte und eigenständige Arbeitsweise entwickelte.

Nach dem Mittagessen wurde die morgige Gruppenarbeit in einem Protokoll zusammengefasst und in dem anschließend stattfindenden Plenum bis zum Abendessen den anderen Teilnehmern vorgestellt. Nach dem Abendessen gab es ein buntes, anregendes Programm von Vorträgen und anschließenden Diskussionen, Film und am letzten Abend eine große Grillparty mit anschließendem Feuerwerk. Unter den Vorträgen bleibt mir besonders der Vortrag von Herrn Kang von der Seoul Universität in Erinnerung, der anschaulich seine Erfahrungen in Deutschland und der Fremde, neben der deutschen und japanischen aus einer dritten Perspektive schilderte.

Nach dem Ende des Abendprogramms - meist gegen neun Uhr - lud das Kneipenzimmer oder ein japanisches Bad zur Kommunikation und Entspannung ein. Meine Erwartung, dass sich die Teilnehmer nach dem Ende des Abendprogramms die Seminararbeit ruhen lassen uns sich ganz dem Beisammensein und der Entspannung hingeben würden traf so jedoch nicht zu. Die meisten Studenten beschäftigten sich nämlich nach dem Abendprogramm zum Teil noch bis weit nach Mitternacht mit den Texten der nächsten Gruppenarbeit und mit der Vorbereitung für die Präsentation ihres Beitrages vom Studentischen Tag. Die Arbeitsatmosphäre  war jedoch locker und fröhlich. Bei diesen Vorbereitungen nahm ich als Praktikant ebenfalls unterstützend teil.

Die Gruppenarbeit mit den Studenten vom Studentischen Tag ohne die Lehrkräfte war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, da ich nämlich aktiv bei der Erarbeitung und Planung unseres zunächst sehr praktischen Beitrages über „Stereotype gegenüber Japanern“ teilnahm. Wir sprachen wie immer auf Deutsch und beendeten in der offiziellen Vorbereitungszeit die Vorbereitung für unseren Beitrag. Obwohl wir jedoch fast fertig waren meinten wir, den theoretischen Teil unseres Beitrages ausbauen zu können. Wir trafen uns also nochmals am nächsten Abend nach dem Grillen gegen halb zehn. Im Laufe der Diskussion schwenkte man vom Deutschen ins Japanische um, was den Austausch der verschiedenen Meinungen über die anspruchsvolle Theorie erleichterte. Ich war erstaunt über den Diskussionseifer der einzelnen Teilnehmer, den ich während meines Studienjahres an einer japanischen Uni noch nicht so erlebt hatte. Aus Freude am Diskutieren und dem Wunsch der Sache auf den Grund zu gehen, wurden wir mit der Vorbereitung erst um zwei Uhr morgens fertig.

In der - wenn auch nicht reichlich vorhandenen - freien Zeit, war es den Teilnehmern möglich sich der wundervollen Umgebung der Pension, die mit ihrer Ausstattung gerade für unser Seminar zugeschnitten schien, zu entspannen oder einer Fülle von Aktivitäten, wie zum Beispiel Bootsausflügen, nachzugehen. Ich selbst habe mir während des freien Nachmittags nach einer leckeren Blaubeerpizza (die Gegend ist berühmt für ihre Blaubeeren) etwas Ruhe gegönnt, bin daraufhin zur malerischen Insel und ihrem Schrein gerudert, habe mich anschließend im kühlen See erfrischt und daraufhin ein leckeres Blaubeereis genossen.

In diesem Bericht darf auch eine Beschreibung und Lob für die sehr gute Bewirtung in der Pension nicht fehlen. Jede Mahlzeit überraschte aufs Neue. Nach einem westlichen Frühstück konnte ich zum Mittagessen und Abendessen leckere japanische Gerichte genießen und zum Abendprogramm lockte frisch gezapftes Bier  und guter Wein.  

Diese intensive und reichhaltige Zeit wurde wohl auch durch die sehr gute Organisation des Seminars (mit knapp 50 Teilnehmern!) möglich. Vom Einsteigen in den Seminarbus am ersten Tag in Shinjuku bis zum Aussteigen in Shinjuku am letzten Tag war es ein besonders intensives Eintauchen und Kennenlernen des Fremden. Dafür möchte ich den Organisatoren und allen Teilnehmern sehr danken und hoffe, dass viele weitere Praktikanten wie ich in den Genuss er Teilnahme am Interuni-Seminar kommen werden.




Bericht II

Das Interuni Seminar Anfang August war das Erste, an dem ich teilgenommen habe. Und ich bin sehr froh darüber, dass ich mithelfen konnte, es waren 5 sehr abwechslungsreiche und lustige Tage.

Das Thema des diesjährigen Seminars war „Ambivalenz des Fremden: Reiz der fremden Kultur, Angst vor dem Anderen“. Wie ich das Thema zum ersten Mal gehört habe, konnte ich nicht wirklich viel damit anfangen. Ich habe noch nie konkret über dieses Thema gearbeitet und kannte auch nur wenige der Autoren der vorgegebenen Texte mit mehr als dem Namen. Ich muss zugeben, dass ich mir am Anfang ziemlich unsicher war, ob ich bei den Gruppenarbeiten wirklich von Nutzen sein kann.

Doch meine mangelnden Vorkenntnisse waren überhaupt kein Problem. Die Texte wurden schließlich in den Gruppen, die jeden Tag wechselten, besprochen und das Lehrpersonal legte sehr viel wert darauf, dass auch die japanischen Studenten das Thema wirklich verstanden und zumindest versuchten, ihre eigene Meinung, wenn es geht auf Deutsch, auszudrücken. Auch wenn ich selbst die teilweise sehr anspruchsvollen Themen nicht hundertprozentig verstanden habe, konnte ich trotzdem versuchen, die japanischen Studenten zum Reden zu motivieren

Am ersten Tag waren alle, Professoren, Praktikanten und die japanischen Studenten, noch ein bisschen scheu, haben nicht viel geredet und auch die „Kneipe“, ein Zimmer, das hauptsächlich zum konsumieren von Alkohol da war, war am ersten Abend noch sehr leer. Die japanischen Studenten haben bis tief in die Nacht hinein die Texte gelesen und sich auf die Gruppenarbeit am nächsten Tag vorbereitet. Daran hat sich zwar in den folgenden Tagen nicht viel geändert, doch stieg die Anzahl der leeren Bierdosen am Morgen doch beträchtlich.

Dadurch, dass sich die Gruppen jeden Tag geändert haben, konnten sich die Studenten untereinander sehr gut kennen lernen und am letzten Tag wurden auch fleißig Email-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht.

Der freie Tag in der Mitte der Woche gab den Studenten auch die Möglichkeit, sich von der geistigen Arbeit der Tage zuvor zu erholen. Es gab die Möglichkeit, mit einem Bus zu nahe liegenden Sehenswürdigkeiten zu fahren, aber ein paar Studenten nützten den freien Nachmittag auch einfach nur um zu schlafen oder mit den Booten zur Insel zu fahren und schwimmen zu gehen.

Die Balance zwischen wissenschaftlichen Arbeiten und Freizeitspaß war, meiner Meinung nach, sehr gut getroffen. Die Professoren waren gerne dazu bereit, Studenten auch nach der Gruppenarbeit, Fragen zu beantworten oder über das Thema zu diskutieren. Selbst beim Grillfest und Feuerwerk am letzten Abend wurde noch über das eine oder andere Thema gesprochen.

Die Organisatoren haben sich wirklich viel Mühe gegeben, die 5 Tage abwechslungsreich und lustig zu gestalten und daran konnte auch das teilweise schlechte Wetter nichts ändern.


Bericht III

 

Einleitung

Das Interuni-Seminar findet zweimal pro Jahr in Shinkashi und Nojiriko statt und wird unter der Leitung eines Organisationskommittee, welches sich aus verschiedenen japanischen Universitätsprofessoren zusammensetzt, seit 1979 veranstaltet. Finanziell unterstützt wird das Seminar durch den DAAD und das Goethe Institut. Das „Juniorenseminar“, welches im Frühling stattfindet und besonders für Sprachanfänger und Studenten des Mittelstufe-Niveaus geeignet ist, dient der Sprachkenntniserweiterung. Für das  „Sommerseminar“ hingegen sind gehobenere Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Ziel ist es, japanischen Studenten die Möglichkeit zu geben aktuelle Sachverhalte und Probleme der modernen Gesellschaft anzugehen und darüber auf Deutsch interkulturell zu diskutieren. („Verbesserung der Deutschkompetenz und inhaltliche Diskussionen“). Hierzu werden regelmäßig japanische und deutsche Hochschullehrer, jeweils ein Hochschullehrer und eine Deutschstudentin aus Korea sowie deutsche Austauschstudenten, die als „Praktikanten“ während des Seminars wirken, eingeladen, um ein möglichst breites Diskussions- und Meinungsforum zu erzeugen. Die Teilnahme der Gäste und Praktikanten ist für beide Seiten eine bereichernde Erfahrung und häufig bilden sich lange Freundschaften. Die Aufgabe der Praktikanten besteht vor allem darin, zwischen der deutschen und der japanischen Kultur und Sprache sowie zwischen Lehrenden und Studierenden zu vermitteln.

Der Name des Interuni-Seminars leitet sich aus vier "Inter-"s, die den interuniversitären, -disziplinären, -kulturellen und –lernerischen Aspekt des Seminars betonen sollen, ab.

 

Inhalt des Seminars

Besonders wichtig für den Erfolg des Seminars ist die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Erkenntnis der eigenen Befangenheit durch Selbstverständlichkeiten in der eigenen Kultur. Ziel ist es, Vorurteile zu überwinden und die eigenen Meinung durch Begegnung mit der fremden Kultur zu überprüfen.

Die Seminarteilnehmer hatten täglich die Möglichkeit sich in verschiedene Gruppen, die unterschiedliche Themen zum Teil auf verschiedenen Niveaus diskutierten, einzuschreiben. In anschließenden Foren wurden die Ergebnisse dann präsentiert und mit den anderen Gruppen diskutiert.

Das Thema des 31. Interuni-Seminars lautete „Ambivalenz des Fremden: Reiz der fremden Kultur, Angst vor dem Anderen“ und hatte zum Ziel, neue Definitionsgrenzen zu ziehen und den eigenen Blick auf „das Fremde“ zu schärfen.  Was ist eine „fremde“ Kultur und wie unterscheidet sich „fremd“ von „anders“? Kann man Fremdheit auch im eigenen Land fühlen? Wann fühle ich mich „fremd“, und worin liegt die „Ambivalenz des Fremden“? Diese und viele weitere Fragen wurden in diesem Seminar beantwortet und diskutiert.

 

Diskussion des Seminartitels

Die erste Aufgabe der sich alle Teilnehmer stellen mussten war die Übersetzung des Seminartitels „Ambivalenz des Fremden“ und des Valentin-Zitats „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ ins Japanische. Gelöst wurde diese Aufgabe zum Beispiel so: 異文化の二面性 (andere Kultur lieben und hassen) undよその人はよその場所でのみよそ者です.
Im Anschluss wurde eine, dem vorgegebenen japanischen Seminartitel alternative deutsche Übersetzung diskutiert. In einer Gruppe wurde sich beispielsweise auf „Angst vor den Fremden – Sehnsucht nach der fremden Kultur“geeinigt.

 

Vorträge

Verschiedene (Diskussions-) Vorträge geladener Gäste aus Japan, Korea und Deutschland ergänzten das Programm und regten zum Fragen, Nachdenken und Austausch an.

Chang-Uh Kang von der Seoul National University postulierte in seinem Vortrag, dass der Begriff „fremd“ Koreanern und Japanern unbekannt sei, der eher kognitiv-faktiver Ebene als psychisch-emotionaler Ebene wahrgenommen werde. Mit vielen Beispielen veranschaulichte Chang-Uh Kang seine Erfahrungen, die er mit sich „fremd“ fühlen und Dinge als „fremd“ empfinden in Deutschland gemacht hatte. Er folgerte, dass „Fremdheit“ ein relativer Begriff sei, da die „Fremdheit“ emotional und geographisch nicht immer identisch sei. Aus dieser These entwickelte sich eine angeregte Diskussion und Fragerunde, in der die Relativität des „Fremden“ erörtert wurde. Als Ergebnis wurde festgestellt, dass man im Ausland dazu neige, sich eher mit regionalen Nachbarn seines Heimatlandes zu solidarisieren (die man im Inland als „fremd“ empfindet) und einem auch das eigene Land nach einem Auslandsaufenthalt „fremd“ sein kann.

Katrin Dohlus vom DAAD hielt eine kurze Einführung in die Arbeit des DAADs und die Möglichkeiten, Stipendien des DAADs für Auslandsaufenthalte zu nutzen. Der DAAD sei jedoch kein fremder Raubfisch, der die regionalen Winterfische im Nojiriko-See auffressen wolle, sagte sie in Analogie zum Veranstaltungsort. Anschließend verteilte sie Informationsmaterial und Taschen an die interessierten Zuhörer.

Nobuhiko Adachiko von der Tokyo Daigaku informierte die Teilnehmer des Seminars über das aus Indien stammende Sati-Ritual, welches die Verbrennung der Witwe mit dem Leichnam ihres Ehemannes fordert. Dies sollte die Faszination und/oder Abschreckung, verursacht bei der Wahrnehmung fremder Traditionen, hervorheben. Ob das  Vorliegen von „Barbarei“ zur Kolonialisierung fremder Kulturen berechtige und ob eine Kritik am Sati-Ritual eurozentristisch sei, wurde stark diskutiert. Auch wurden eine (kultur-) relativistische Verteidigung des Rituals besprochen und bewertet sowie Adachikos Behauptung, fremde Kulturen würden an der Behandlung der Frau gemessen (Zivilisationsgrad). Abschließend wurde ein Vergleich zur Bedeutung „deutscher Leitkultur“ sowie der Ehrenmorde ethnischer Minderheiten in Deutschland gezogen.

 

Gruppenarbeit

Aufgabe in der Gruppenarbeit war es, die bereits im Vorfeld gelesenen Texte zu diskutieren und Unklarheiten zu besprechen. Anschließend wurden Thesenpapiere entwickelt und vor der gesamten Teilnehmergruppe präsentiert. Um einen Eindruck in die Vielfältigkeit der Themenfelder zu gewinnen, folgt hier eine kleine Übersicht der Gruppenergebnisse in Kernaussagen der ersten Gruppenarbeit (Tag 2).

2A: Uerlings „Ich bin von niedriger Rasse“ , Kafka- und Novalis-Zitat

·         Niemand existiert ohne die anderen

·         Alles ist veränderlich nach der Art und Weise, wie andere bewerten

·         Alles ist relativ

·         Das Abgrenzen zwischen einem und anderen entscheidet über die Existenz der anderen

2B: Muschg „Fremd-Sprache“

·         Gründe für das Erlernen von Fremdsprachen: Kulturelle Kompetenz (Denke, Verhalten) erwerben, neues Verständnis für eigene Sprache und Kultur, neues Weltbild kreieren

·         Beste Art eine Fremdsprache zu lernen: Nicht mechanisch, sondern unter Berücksichtigung des Kontexts (religiös, historisch)

·         „Typische“ Wörter: Deutsch: Brot, Heimat. Japanisch: Sake

·         Gründe für das Erlernen der Deutschen Sprache für die Teilnehmer: wichtige Pädagogik-Fachliteratur (Pädagogikstudentin), Klassische Musikstücke tiefer verstehen (Musikstudentin), Deutsch anhand von Sprachbeispielen unter  Französisch, Chinesisch und Koreanisch als zweite Pflichtfremdsprache gewählt

·         Von Deutschen, die Japanisch lernen: Nebenfach zu Philosophie (analytischer/synthetischer), etwas komplett anderes lernen wollen

 

2C: Sundermeyer „Zur Geschichte der Wahrnehmung des Fremden. Drei Modelle der Fremdwahrnehmung“

·         Beispiele für das sich „fremd“ fühlen im eigenen Land: Kanto-Dialekt

·         In Japan für Deutsche: Japanische Familientradition und Erziehung, Geschlechtertrennung, Mensa, Frauenmetrozüge, viele öffentliche Ansagen

·         In Deutschland für Japaner: Schlechter Service, Beobachtet-werden

·         Ambivalente Wörter: xenos (Fremder, Gast), hostis (Feind, Gast), Ausländer/Asylanten/Flüchtling

·         Plenumsdiskussion: Sollen Differenzen zwischen uns und den anderen ignoriert (bzw. Gemeinsamkeiten betont) oder ausdiskutiert werden?

 

2D: Albrecht „Bausteine einer formalen Begriffsbestimmung „der, die, das Fremde““

·         „Fremd“ ist ein Verhältnis von Subjekt und Objekt, keine Eigenschaft

·         Plenumsdiskussion: Gegenstände, die einem fremd/eigen sind und/oder die man mag/nicht mag

 

Studentischer Tag

Während des studentischen Tags stand vormittags freie Zeit zur Verfügung, um durch die Teilnehmer selbst gewählte Themen oder Texte zu bearbeiten, diskutieren und anschließend in eine Präsentation umzusetzen, die am letzten Seminartag vorgestellt wurde.

Hierbei wurden sehr unterschiedliche Herangehensweisen ersichtlich: Einige Gruppen stützten ihre Diskussionen auf Texte oder Zitate, andere diskutierten frei zu ihnen wichtigen Themen. Auch die Umsetzung der Präsentationen war sehr unterschiedlich. So führte einige humorvolle Theaterstücke zur japanischen Wahrnehmung der Außenwelt auf, andere fertigten Powerpointpräsentationen über japanisches Essen an, wieder andere stellten Theorien des Universalismus und Relativismus an einem Flipchart vor. Sogar einen Fotoroman zum Thema interkulturelle Liebe wurde hergestellt.

Ab Mittag konnten die Studenten Freizeitaktivitäten nachgehen, wie die umliegenden Orte und Museen zu besuchen, Schwimmen, Rudern oder Fahrradfahren zu gehen und sich untereinander besser kennen zu lernen.  Der Tag wurde durch einen Vortrag mit Diskussion von Herrn Adachiko abgerundet (siehe Abschnitt „Vorträge“).

 

(Interkulturelles) Miteinander

Die Stimmung während des gesamten Seminars war ausgezeichnet und von hoher Motivation geprägt. Über hierarchische und kulturelle Strukturen hinweg wurde gemeinsam gelernt, diskutiert, gegessen, Spaß gemacht und Freizeit verbracht. Nur die „Kneipenbesuche“ kamen bei japanischen Studenten etwas seltener vor als bei den anderen Seminarteilnehmern, obwohl sie herzlich eingeladen waren. Sie nutzten diese überwiegend zur Klärung offener Fragen zum Verständnis der Texte.

Ihre Lernmotivation veranlasste sie teilweise zu unglaublich langen Nachtsitzungen der Lektüre und Erarbeitung von Inhalten, die in Deutschland in solch einem Rahmen unbekannt sind. Auch die Lehrkräfte zeigten große Ausdauer und Geduld bei der Betreuung der Studenten. Gleichzeitig kam keine Atmosphäre von übertriebenem Ehrgeiz auf, was sehr angenehm war, sondern die langen Sitzungen verursachte eher ein Gefühl der Verbundenheit. Hauptsächlich lag dies an der humorvollen Weise mit der sich die Beteiligten der Arbeit und den Kollegen widmeten.

Die Diskussionskultur war viel angeregter als erwartet und stets zeichneten sich Motivation und Enthusiasmus bei den Teilnehmern ab. In seltenen Fällen, möglicherweise aufgrund geringerer Sprachkenntnisse, nahmen sich einige aus den Diskussionen zurück. In anderen Fällen war der Inhalt der Texte so schwer verständlich, dass selbst Deutsch-Muttersprachlern die Worte fehlten und Diskussionen über den Inhalt ins Stocken gerieten.

Die Kommunikation fand während des offiziellen Teils in beeindruckender Qualität auf Deutsch statt. In der Freizeit genossen es die Studenten ab und zu ihre Muttersprache zu sprechen, nahmen jedoch jederzeit Rücksicht auf ausländische Gäste, die kein Japanisch können und übersetzten viel und gerne.

 

Fazit

Die Seminarreihe Interuni ist eine lohnende und bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten: Nicht nur japanische Studenten können ihre Diskussionsfähigkeit und Sprachkenntnisse prüfen und verbessern sondern auch Hochschullehrer können neue didaktische Methoden in einer interaktiven Atmosphäre ausprobieren und mit Studenten frei diskutieren. Die koreanischen Gäste tragen wie die deutschen Gäste dazu bei, die interkulturellen Aspekte der Themen besser greifbar zu machen und Diskussionen anzureichern.

Inhaltlich ist das Seminar anspruchsvoll und regt alle Beteiligten zu intensivem Nachdenken und folglich der Erweiterung des Horizontes an. Dies wird vor allem durch die liberale Lehrkultur gefördert und ist möglicherweise Ursache für die hohe Motivation der Seminarteilnehmer. Zusätzlich führen die Freizeitaktivitäten und geographische Lage des Seminarortes zu einem entspannten und geselligen Miteinander.

Für die Sprachentwicklung, das Selbstbewusstsein und das interkulturelle Verständnis der Teilnehmer ist dieses Seminar unentbehrlich.