Berichte der deutschen PraktikantInnen zum 32. Sommerseminar 2010

Bericht I

Mit der Teilnahme am 32. Interuni-Seminar in Nojiriko vom 31. Juli bis zum 4. August 2010 war ich nun schon zum 3. Mal als Praktikant bei einem Interuni-Seminar dabei. Und ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal sein wird. Denn auch bei diesem Sommerseminar empfand ich die Begegnungen mit den Kursteilnehmern, die Diskussionen und der Aufenthalt an diesem wunderschönen Ort Japans als eine Wohltat.

Das Thema des diesjährigen Sommerseminars entsprang den 150 Jahren dauernden diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Deutschland, die im nächsten Jahr mit vielen Feierlichkeiten begangen werden sollen.  Während des Seminars sollten die Teilnehmer diese deutsch-japanischen Beziehungen genauer und vor allem kritisch beleuchten.

Der Ort des Seminars war die Pension „Hottori-Sou“, die an dem malerischen Nojiri-See liegt mit einer kleinen Insel in der Mitte. Mit den sechs hauseigenen Ruderbooten, die den Seminarteilnehmern die ganze Zeit über zur Verfügung standen, konnte man die Insel in weniger als einer Viertelstunde erreichen und den Schrein besuchen, der dort auf einer kleinen Anhöhe errichtet war. Neben dem Rudern gab es noch die Möglichkeit zu schwimmen, spazieren gehen oder einfach nur am Ufer des Sees entspannen. Ehrlich gesagt, hatte ich für diese Tätigkeiten jedoch nur wenig Zeit, da das Programm des Seminars wieder sehr reichhaltig war. Für das leibliche Wohl und eine angenehme Atmosphäre in dem Haus sorgten die sehr freundlichen Hausangestellten. Diese sehr attraktiven Rahmenbedingungen trugen sicherlich dazu bei, dass sich der Austausch und die Diskussionen zwischen den Teilnehmern so gut entfalten konnten.

Zur Vorbereitung auf das Thema erhielten die Teilnehmer vor Beginn des Seminars eine Auswahl von Texten, die während der drei Seminartage in den sich jeden Tag neu bildende  drei Gruppen besprochen und anschließend im Plenum diskutiert wurden. Getreu dem Motto des „Interuni“-Seminars, kamen die 41 Seminaristen von unterschiedlichen Universitäten, aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen und waren zum Teil schon berufstätig. Man lernte sich innerhalb weniger Stunden kennen; ausschlaggebend dafür war sicher auch das gemeinsame Betrachten des großen Feuerwerks über dem Nojiri-See am Abend des Ankunftstags.

Der normale Arbeitstag begann um 8 Uhr mit einem guten Frühstück und endete gegen 21 Uhr. Ausgefüllt war er mit Textbesprechungen und Diskussionen in einer zehnköpfigen Gruppe am Morgen, einem Plenum, in welchem die Gruppenarbeit vorgestellt und mit allen diskutiert wurde und Vorträgen am Abend. Mittags gab es eine einstündige Pause und nach dem Feierabend begann der inoffizielle Austausch in der hauseigenen „Kneipe“ oder es wurden die Texte für den nächsten Tag vorbereitet.

Am zweiten Arbeitstag hatten die Studenten einen freien Nachmittag, wodurch das alltägliche Plenum wurde auf die Zeit nach dem Abendessen verlegt wurde. Diese Zeit nutzen die Teilnehmer um sich von den Kneipenabenden und der Arbeit zu erholen, sich den Unternehmungsmöglichkeiten in der Umgebung zu widmen oder, wie es eine Gruppe getan hat, mit einem angemieteten Bus leckere Soba-Nudeln-Essen zu fahren und anschließend einen berühmten Tempel zu besichtigen. Ich selber habe mit ein paar Teilnehmern die berühmten Blaubeeren-Pizzen gegessen, einen langen Mittagsschlaf gemacht und daraufhin mit ein paar Leuten die halbe Insel umschwommen.

Am dritten, „Studentischen“ Tag setzten sich die Studenten ohne die Lehrkräfte zusammen und bearbeiteten ein Thema, das selbst von ein paar Studenten am Tag zu vor vorgeschlagen wurde und mit dem Seminar-Thema in Verbindung stand. In meiner Gruppe diskutierten wir anhand eine Liedes, in dem es auf humorvolle Weise um die Bedrohung der deutschen Sprache durch das zunehmende Eindringen von englischen Wörtern ging, die Zukunft der deutschen Sprache. Nachdem am Nachmittag die Gruppenarbeiten vor allen Kursteilnehmern dargestellt und diskutiert worden waren, erwartete die Seminaristen ein reichhaltiges Grillen am Seeufer und daraufhin ein buntes, unterhaltsames Abendprogramm mit Sketcheinlagen, Spiel, Tanz und Singen. Am nächsten Morgen vor der Abfahrt nach Shinjuku kamen die Teilnehmer zu einer abschließenden Diskussion zusammen.

Wie ich schon anfangs angedeutet hatte, ist das Interuni-Seminar für mich eine wunderbare Gelegenheit für alle Teilnehmer, egal ob Studenten, Gäste, Lehrer oder Praktikanten durch Gespräche und die Erarbeitung eines Themas einander kennen zu lernen und vor allem von einander zu lernen. Durch das Zusammentreffen von drei verschiedenen Kulturen, Teilnehmern unterschiedlichen Alters (was meiner Meinung nach in Japan auch nicht so häufig vorkommt) wird das gegenseitige Verständnis und der Wissenshorizont erweitert und das Urteilsvermögen ausgebaut. Es werden Freundschaften geknüpft und das Interesse seine Mitmenschen und anderen Kulturen näher kennenzulernen wird gestärkt. Ich fand die Anwesenheit der koreanischen Gäste wieder sehr bereichernd, da sie den nötigen Blick über den deutsch-japanischen Tellerrand ermöglichen in dem sie ihre Sicht der Dinge den zur Diskussion stellen.

Weiter wird die Diskussionskultur, die meiner Meinung nach im Vergleich zu Deutschland unter den japanischen Studenten nicht so ausgeprägt ist, gefördert und die Studenten erhalten die Möglichkeit ihre Ideen auszudrücken und ihre Meinung durch die der anderen Teilnehmer reflektieren zu lassen. Weiter wird durch die kritische Bearbeitung von Texten, die Kritikfähigkeit der Studenten gefördert. Ich denke, dass den Studenten durch die Teilnahme an den vielen Diskussion klar wird, wie wichtig und erfüllend das Erlernen der Fremdsprache ist und ich bin mir sicher, dass sie durch dieses Seminar zu einem verstärkten Lernen der Fremdsprachen angeregt werden.

Wenn ich das diesjährige Seminar mit dem des letzten Jahres vergleiche, so fällt mir auf, dass die Studenten mehr Initiativen ergriffen als es zum Beispiel um die Einteilung der Gruppen- und Gruppenthemen für den studentischen Tag ging. Beim letzten Mal wurde dies noch maßgeblich vom Organisator festgelegt, dieses Mal regelten dies die Studenten untereinander.

Nach unserer kritischen Betrachtung der Geschichte der Deutsch-Japanischen Beziehungen plädiere ich hiermit an die Politik und die Zivilgesellschaft, Projekte wie das Interuni-Seminar zu fördern und deren Konzept zu verbreiten, da ich das Interuni-Seminar als ein wirklich gelungenes Beispiel kulturellen Austausches ansehe.
(B.H)


Bericht II

Nachdem ich im Frühjahr bereits am Interuni-Seminar in Kashi als Praktikantin teilgenommen hatte, bekam ich nun die Möglichkeit, beim Sommerseminar in Nojiri ein Praktikum zu absolvieren. Als Japanologie-Studentin hatte ich selbst großes Interesse an dem Thema „150 Jahre deutsch-japanischer Kulturaustausch“ und habe mich sehr auf die Diskussionen mit den japanischen (bzw koreanischen) Studenten gefreut.

Im Vergleich zu dem Seminar in Kashi war die Teilnehmerzahl viel geringer (ca. 20), sodass die Atmosphäre etwas persönlicher war. Ich hatte den Eindruck, dass sich alle Teilnehmer untereinander sehr gut verstanden und innerhalb kürzester Zeit zu einer Gruppe zusammenwuchsen.

Besonders überrascht war ich vom Fleiß der Studenten, die teilweise bis in die Nacht hinein noch den Unterricht vorbereiteten und sich trotzdem am nächsten Tag wieder aktiv an den Diskussionen beteiligten. Dabei schien das Vergnügen nicht zu kurz zu kommen.

Das Konzept, am Vormittag Gruppenunterricht und am Abend ein Plenum abzuhalten, erwies sich als ausgesprochen sinnvoll. Auf diese Weise wurde zunächst sehr intensiv gearbeitet und im Anschluss konnte ein Austausch mit weiteren Studenten und Lehrern stattfinden. Auch das Fazit des Studentischen Tages fällt positiv aus. Die Studenten haben auch ohne Anleitung eines Lehrers konzentriert gearbeitet und mit guten Präsentationen beeindruckt. Trotz des straffen Seminarprogramms hatte ich nicht das Gefühl, dass die Studenten überfordert waren. Zu überlegen wäre eventuell, die Anzahl der vorzubereitenden Texte etwas zu straffen, da die Vorbereitung eines fremdsprachigen Textes für die Studenten sehr zeitintensiv sein kann.

Insgesamt hat mir das Praktikum viel Spaß gemacht. Interessant war vor allem eine kritische Betrachtung der deutsch-japanischen Beziehungen aus japanischer Perspektive. Ich hatte auch den Eindruck, dass den Studenten das Seminar sehr gut gefallen hat und dass viele gerne noch einmal an dem Seminar teilnehmen würden – zum einen, um die neu gewonnenen Freunde und Bekannte wieder zu treffen, und zum anderen, um weitere Diskussionen auf Deutsch führen zu können. Auch ich selbst würde immer wieder gerne an einem derartigen Seminar teilnehmen und hoffe, mit vielen der Studenten auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland weiter in Kontakt bleiben zu können.
(J.R)


Bericht III

Auch dieses Jahr hatte mich das Interuni-Seminar mit vielen Denkanstößen und neuen netten Bekanntschaften entlassen. Dafür möchte ich mich zunächst recht herzlich bedanken.

„150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen“ – das Thema des diesjährigen Seminars hatte bei mir gleich großes persönliches Interesse geweckt und so entschied ich mich direkt nach der Freischaltung zur Anmeldung ein zweites Mal an dem aufregenden Seminar teilzunehmen. Das Thema an sich ließ den Dozenten und auch den Studenten eine Menge Spielraum für die Gruppenarbeiten und Diskussionen. So gab es viele Gruppen mit den verschiedensten Themen und die Diskussionen erstreckten sich von geschichtlichen Ereignissen bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Problemen. Besonders hilfreich war dabei sowohl die Kurzdarstellung der deutsch-japanischen Geschichte von Herrn Tsuji als auch der Beitrag über die deutsch-koreanischen Beziehungen von dem diesjährigen koreanischen Gast, Herrn Park.

Worum ging es also konkret? Wir beschäftigten uns unter anderem mit folgenden Fragen: Was bedeutet es eigentlich, die 150-jährige Beziehung zu „feiern“? Was soll damit erreicht werden? Was haben Japan und Deutschland in der heutigen Zeit überhaupt noch gemeinsam? Warum lernen wir eigentlich Deutsch? (Oder: warum lernen die Praktikanten eigentlich Japanisch?) Und: Ist die deutsche Sprache überhaupt noch zu „retten“?

Die Gruppenarbeiten waren sehr informativ und haben mich in vieler Weise erstaunt. Zum einen gab es in meinen Gruppen (dazu muss man sagen, dass beide Gruppen aus  fast denselben Studenten bestanden) Studenten, die sich nicht davor scheuten, ihre Meinung auszudrücken und sich aktiv an den Gruppenarbeiten beteiligten. Viele von ihnen meldeten sich auch während des Plenums, was ich als sehr positiv empfand.

Zum anderen war mir jedoch etwas aufgefallen, das bei mir bereits vor zwei Jahren große Verwunderung ausgelöst hatte: den meisten Studenten schien die deutsche Gedichtsform vollkommen fremd zu sein. Dies finde ich sehr bedauerlich, denn es gibt jede Menge an berühmten deutschen Autoren, die sich der Lyrik bedienen. Ich hoffe, dass die Gruppenarbeit als kleinen Einblick in die deutsche Lyrik den Studenten die Motivation geben konnte, sich auch außerhalb des regulären Studiums mit deutschen Gedichten auseinander zu setzen.

Die Präsentationen der jeweiligen Gruppenarbeiten und der studentische Tag zeigten die kreativen Seiten der Studenten und waren sowohl amüsant, lehrreich als auch anregend für spätere Diskussionen. Mir persönlich gefielen vor allen Dingen die Beiträge vom studentischen Tag sehr („Denglisch“ und ähnliche Phänomene im Japanischen; Deutsche Spuren am Nojiriko?; Welches Verhalten könnte in dem jeweiligen Land für Missverständnisse sorgen?).

Hier ein kleiner Appell meinerseits an die Studenten: versucht das nächste Mal beim Vortragen nicht alles vom Blatt abzulesen! Erstens senkt man dadurch automatisch den Kopf, wodurch die Stimme nicht dem Publikum, sondern permanent dem Boden gerichtet ist und schlechter bei allen ankommt; zweitens hemmt es meiner Meinung nach das Selbstbewusstsein, was die eigenen Sprachfähigkeiten angeht, da man sich in diesem Moment nur noch an den vorgeschriebenen Text klammert. Auffallend war, dass viele, die lediglich ihren Text während der Präsentationen ablasen, sich kaum oder gar nicht während des Plenums äußerten. Es mag vielleicht etwas schroff klingen, aber falsche Scheu finde ich hier unangebracht. Schließlich soll das Seminar dazu dienen, Deutsch zu sprechen. Und Sprechen ist nicht dasselbe wie Vorlesen. Traut euch ruhig, die Dozenten reißen euch wegen ein paar Fehlern (bestimmt) nicht gleich den Kopf ab. ;) Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Die Stunden am Abend, die inzwischen traditionellerweise von den meisten Studenten zum Lesen und Lernen genutzt werden, regten auch noch mal zu einem lebhaften Austausch an. Genauso bot der freie Nachmittag, in meinem Fall der Ausflug nach Togakushi, eine gute Gelegenheit, sich untereinander besser kennen zu lernen. Togakushi kann ich übrigens nur weiterempfehlen; es gab nicht nur leckeres Soba zum Mittagessen, sondern auch ein Eis nach dem langen Weg vom Bus bis zum Schrein auf dem Berg und wieder zurück. Und wer noch Energie hatte, amüsierte sich außerdem danach noch prächtig im Ninja-Dorf. Allerdings wäre es ratsam, halbwegs ordentliche Schuhe für diesen Ausflug mitzunehmen... Es ist zwar mit Sandalen machbar, aber Straßenschuhe sind da doch die bessere Option...

Insgesamt hat mir das Seminar wieder sehr viel Spaß gemacht; ich hoffe, dass es den anderen Teilnehmern genauso ging und sie auch mit vielen guten Erinnerungen nach Hause gefahren sind. Vielen Dank auch an Hwan Joo für die Unterstützung in den Gruppenarbeiten und für all die lustigen koreanischen Spiele, die du uns beigebracht hast, und ein besonders fettes Danke schön für den Chachacha-Kurs während der Schlussfeier! ;)

Danke, dass ich dabei sein durfte! Und wer weiß, vielleicht sehen uns bald wieder... ;)
(E.Z)