Berichte der PraktikantInnen:
Interuni-Seminar
 11.-13. Marz 2011


Ich habe am Interuni-Seminar im Marz 2011 teilgenommen, das leider sehr kurz war.  Es fand in Kashi in der Prafektur Fukushima ca. 3h von Tokyo entfernt statt. In der Hohenlage der Jugendherberge lag noch recht viel Schnee; die Herberge war allerdings sehr gut ausgestattet.

Wir deutschen Praktikanten sollten mit einer zugeteilten Gruppe durch den Unterricht gehen und gegebenenfalls die Lehrkrafte helfend unterstutzen, sowie Ansprechpartner fur die japanischen Teilnehmer sein.  Leider wurde der Ablauf des Seminars schon am ersten Tag gestort, nichtsdestotrotz war die Stimmung, von den Ereignissen auserhalb des Seminars abgesehen, uberraschend gut. Die teilnehmenden Studenten, mit denen ich zu tun hatte, waren allesamt motiviert, und strengten sich auch bei wenigen Deutschkenntnissen an, zum Geschehen beizutragen. Wahrend es am Anfang nicht ganz einfach war, ein Gesprach zu initiieren, tauten alle Teilnehmer im Laufe des zweiten Tages auf. Vor allem das Gruppenprojekt, bei dem sich jede Gruppe fur ein Thema entscheiden sollte, brachte die Gruppen naher zusammen, sodass sich am Nachmittag des zweiten Tages die Teilnehmer einer Gruppe schon recht gut verstanden und viele Ideen austauschten. Durch die flexiblen Zeiten konnte sich die Gruppe genau so viel Zeit nehmen wie sie dafur brauchte.

Ich glaube, durch die vielen anwesenden Deutschen und das Praktikantensystem fanden es die japanischen TeilnehmerInnen leichter, mit den Deutschen ins Gesprach zu kommen, wobei die Sprache erst einmal nebensachlich war. Dies zeigte sich vor allem zwischen und nach dem Unterricht. Daher finde ich das Praktikantensystem in dem Rahmen des Seminars sehr passend. Es gab auch sehr viele Gelegenheiten, miteinander in Kontakt zu treten, da sich jeweils ein/e Deutsche/r in ein Zimmer mit ein paar JapanerInnen teilte und naturlich auch das Essen gemeinsam stattfand. Meiner Meinung nach ist dies eine Starke des Seminars, von der sowohl japanische als auch deutsche TeilnehmerInnen profitieren konnen.

Auserdem waren auch die anwesenden Lehrkrafte durchweg ansprechbar und hatten realistische Erwartungen an die japanischen TeilnehmerInnen, die ja teilweise erst sehr wenig Deutsch beherrschten. Auch das Thema fur das Interuni-Seminar 2011, Freundschaft zwischen Japan und Deutschland, fand ich sehr gut gewahlt; die Gruppenprojekte waren sicherlich sehr interessant geworden und hatten auch auserhalb der Sprache zur Wissensbildung beigetragen. Auch die Gaste aus Korea bereicherten das Seminar; es ist schade, dass sie nicht mehr zur Geltung kommen konnten.

Auf die Vorkomnisse ab dem 11. Marz reagierte die Seminarleitung ruhig und besonnen, was mir im Nachhinein sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Da in dem Seminarort teilweise kein Handyempfang war, postete die Seminarleitung zB. Informationen uber unsere Situation auf ihrer Homepage, am 13. Marz wurde das Seminar dann vorsorglich abgebrochen.

Insgesamt ist es naturlich schade, dass das Seminar nicht vollstandig stattfinden konnte, es wurde allerdings der Situation entsprechend gehandelt. Ich hoffe, dass es nachstes Jahr unter einem besseren Stern steht.



Als erstes mochte ich mein tiefes Mitgefuhl an alle Angehorigen der Opfer vom 11. Marz aussprechen.

Erneut habe ich feststellen mussen, wie gewaltig und brutal eine Naturkatastrophe doch sein kann. Ich werde dieses Datum wohl nie vergessen.

Weiterhin mochte ich mich bei der Organisation des Seminars recht herzlich bedanken, die uns rasch wieder Richtung Tokyo bringen konnte.

Es ist wirklich bedauerlich, dass ich aufgrund der Ereignisse kaum etwas uber das Seminar selbst berichten kann. Dabei war es nicht nur fur mich, sondern auch fur viele andere das aller erste Fruhlingsseminar uberhaupt. Ich mochte trotzdem wenigstens ein paar Eindrucke hier festhalten.

Als Praktikantin war ich fur die Gruppe G zustandig. Am Anfang war die Gruppe fur mich sprachlich recht schwer einzuschatzen und die Zeit war leider viel zu kurz, um sich mit jedem Einzelnen zu unterhalten und sich ein genaueres Bild zu machen. Man merkte aber den Ehrgeiz aller Teilnehmer sofort, obwohl einige Passagen der zugeteilten Texte wirklich nicht einfach waren und es so manch stockende Momente gab. In der einen Gruppenarbeit redeten wir uber Mori Ogai und lasen in aufgeteilten Gruppen Texte uber zwei verschiedene deutsch-japanischen Liebesbeziehungen; in der anderen ging es um den geschichtlichen Ausgangspunkt der 150-jahrigen deutsch-japanischen Beziehung. Unterschiedliche Themen, unterschiedliche Herangehensweisen der Dozenten, viele unterschiedliche Fragen, die sicherlich in den Kopfen der Teilnehmer umherschwirrten. Meiner Meinung nach schlugen sich alle Teilnehmer sehr tapfer, obwohl die immer wiederkehrenden Nachbeben jedenfalls mir die Konzentrationskraft am Ende vollig raubten...

Danke an alle Teilnehmer! Wirklich traurig, dass das Seminar so schnell enden musste und ich die meisten von euch nicht naher kennenlernen konnte, aber ich hoffe, dass man sich irgendwann wieder uber dem Weg lauft. ;) (Und, Geheimtip: Traut euch ruhig Fragen zu stellen! Erfahrungsgemas sind die meisten Dozenten immer sehr dankbar, wenn Fragen gestellt werden.)

Vielen lieben Dank auch an die Gaste aus Sudkorea, die sich in meiner Gruppe aktiv beteiligten hatten. Ich personlich interessiere mich sehr fur die sudkoreanische Kultur und habe auch dieses Mal viel aus dem Beitrag vom letzten Abend lernen konnen. Ich hoffe, dass das Erdbeben nicht eine Art Trauma ausgelost und euch abgeschreckt hat. Die Studenten wurden sich sicherlich uber einen erneuten Besuch von euch freuen.

Die Nachrichten uber das AKW Fukushima I sind immer noch sehr beunruhigend.

Was mich personlich aber auch sehr beunruhigt sind die deutschen Medien und der Umgang mit der Situation in Deutschland. Noch nie hatte ich mich die Frage, die Hauptthematik des Seminars war, so sehr beschaftigt wie jetzt: Was ist eigentlich der Sinn des 150-jahrigen deutsch-japanischen Freundschafts-Jubilaums?

Vielleicht kann man auch den Spies umdrehen: Unter uns mag das Jubilaum ein altbekanntes Thema sein. Aber die breite Masse weis anscheinend nichts davon. Gerade jetzt sollten wir vielleicht die Chance nutzen und den kuhlen Kopf bewahrend vermitteln. In diesem Sinne hoffe ich, dass das diesjahrige Thema fur euch nicht nur ein vorubergehendes, sondern euch weiterhin begleitendes ist, und dass das Seminar euch neue Denkstose und Aspekte mitgeben konnte.

Sei es die Presse, sei es das AKW - ich wunsche allen weiterhin starke Nerven. Passt bitte auf euch auf. 
本当にお疲れ様でした。


Dass meine erste Teilnahme am Interuni Seminar eine dermaßen ungewöhnliche Form annehmen würde, hätte ich mir vor dessen Beginn natürlich nicht denken können. Auch wenn es schade ist, dass letzten Endes ein Großteil des geplanten Inhalts ausfallen musste, bin ich auf jeden Fall froh darüber, ein Teil des Jubiläumsseminars im März 2011 gewesen zu sein.

Schon ganz zu Beginn, während des Wartens auf den Bus am Tokyoter Bahnhof, war ich positiv überrascht von den japanischen Studenten, die zwar wie erwartet zuerst etwas schüchtern waren, doch sehr viel Begeisterung zeigten, wenn man sie auf das kommende Wochenende ansprach. Mit so vielen Deutschlernern zusammenzuarbeiten, die mit größter Vorfreude an die Sache herangehen, war etwas, was mich selbst ebenfalls mit viel Freude auf die bevorstehenden Tage vorausblicken ließ.

Zwar studiere ich DaF, aber da ich noch nie an solch einem Projekt teilgenommen hatte, war ich zuerst ein wenig unsicher, was genau auf mich zukommen würde. Allerdings sorgte die profesionelle Betreuung der Organisatoren sowohl per Mail als auch ab dem ersten Moment des Zusammenseins, sowie der äußerst freundliche und kollegiale Umgang unter dem gesamten Lehrpersonal dafür, dass ich mich schnell in der Runde wohl fühlte. Dass diese gute Stimmung auch auf die Studenten abfärbte, war von Anfang an zu sehen und ich fand es toll, wie sich die meisten Lehrer und Praktikaten Mühe gaben, sich unter die japanischen Studenten zu mischen um mit ihnen zu reden und Hemmungen abzubauen. Das mag selbstverständlich klingen, aber erfahrungsgemäß weiß ich, dass es in solchen gemischten Gruppen leider viel zu oft zur Grüppchenbildung unter den Muttersprachlern kommt, weshalb ich mich umso mehr darüber gefreut habe. Im Lauf der Veranstaltung war zwar zu merken, dass dieses Verhalten ein wenig abnahm - vor allem beim Essen und beim gemeinsamen Trinken abends hätte ich mir gewünscht, dass nicht immer die Lehrer, vor allem die Deutschen, zusammensitzen. Aber da ansonsten von allen viel Wert darauf gelegt wurde, und wenn man auch die besonderen Umstände der Katastrophe, in der man sich möglichst viel unter den Verantwortlichen austauschen wollte, bedenkt, ist das sicher ein zu vernachlässigender Kritikpunkt.

Der Unterricht all meiner Gruppen (zu Beginn A/B, dann B) wurde von Herrn Buchenberger, zum Teil gemeinsam mit Frau Kamakura geführt. Die äußerst natürliche Art zu unterrichten und auch der lockere Umgang mit dem Problem, dass viele in unserer Gruppe noch zu wenig Deutsch konnten, um ein längeres Gespräch zu führen, hat mir dabei besonders gut gefallen. Während Wert gelegt wurde darauf, regelmäßig Deutsch zu sprechen, damit die Studenten es im natürlichen Umfeld hören und anwenden können, hat sich Herr Buchenberger oft Mühe gegeben, kompliziertere Aussagen auch auf Japanisch zu wiederholen, sodass der eigentliche Inhalt an niemandem vorbeigegangen sein sollte. Die spätere Diskussion, die sich mit der Kriegsschuld Deutschlands und Japans beschäftigte, wurde aufgrund des schwierigen Inhalts nur noch auf Japanisch geführt, allerdings hatte dies den bemerkenswerten Effekt, dass sich wirklich alle Teilnehmer unserer Gruppe früher oder später zu Wort meldeten. So konnte man merken, dass Interesse bestand und zugehört wurde, auch von den Studenten, die sich eher ruhig verhielten. Einen bedeutenden Einfluss auf die lebhafte Diskussion hatten sicher die zahlreichen Anregungen des Lehrer-Duos. Ich weiß nicht, wie lange unsere beiden Dozenten schon zusammenarbeiten, aber man hat ihnen angemerkt, dass sie sehr gut harmonieren und dass es ihnen auch Spaß gemacht hat, die Argumente der Studenten zu verfolgen. Dass ich auch mit Fragen der Japaner direkt in die Diskussion eingebunden wurde und die Gelegenheit bekam, meinen eigenen Standpunkt als "junger Deutscher" darzulegen hat mich ebenfalls gefreut.

Das einzige, was an unserer Gruppe vielleicht noch verbesserungsfähig gewesen wäre war die Zusammensetzung. Es gab eine Studentin, der man deutlich anmerkte, dass sie ein gutes Stück über dem Niveau der anderen lag. Zwar konnte sie so das Gruppengespräch anregen und als Leiterin unter den Japanern agieren, allerdings hatte ich den Eindruck, dass einige andere Mitglieder aufgrund ihrer Anwesenheit ruhig wurden, weil der Unterschied in den Sprachfähigkeiten doch sehr deutlich war. Das fand ich besonders schade, weil auch die beiden Praktikaten, die während der Gruppeneinteilung neben mir anwesend waren, diese Studentin als deutlich höher im Niveau bewertet hatten.

Insgesamt gab es zwar nur einen Tag, an dem ich wirklich sehen konnte, was das Interuni Seminar eigentlich ausmacht, aber das hat mir gelangt, um Lust auf mehr zu bekommen und allen Japanern, die ernsthaft am Studium des Deutschen interessiert sind, eine Empfehlung zur Teilnahme auszusprechen. Es ist eine großartige Gelegenheit, mit vielen interessanten Leuten in Kontakt zu kommen und die Qualität des Unterrichts fand ich, selbst im Vergleich mit dem hochwertigen Unterricht den ich bisher kannte, beeindruckend. Für das tolle Lernumfeld und auch für die vielen Eindrücke für mich als DaFler möchte ich allen Teilnehmern, insbesondere den Lehrkräften danken. Außerdem möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, wie gut sich die Organisatoren um uns gekümmert haben, was insbesondere im Rahmen der Erdbeben-Katastrophe wirklich für viel Ruhe und Sicherheit gesorgt hat. Auch allen anderen, die für unser Wohl gesorgt haben, wie der Hausmeister, das Kantinenpersonal oder die Busfahrer, bin ich zutiefst dafür dankbar, dass in dieser Lage alles so reibungslos geklappt hat. Sicher konnten sich alle Teilnehmer und ihre Familien dank dieses tollen Einsatzes beruhigen und letztendlich ohne Schaden davonkommen.


Das 30. Interuni-Juniorenseminar im März 2011 ist das erste Seminar, an dem ich teilgenommen habe. Aufgrund meiner Praktikantentätigkeit bei der DAAD Außenstelle in Tokyo wurde mir glücklicherweise eine Stelle als Praktikantin für das Seminar vermittelt.

Anfangs war ich ein wenig verunsichert, da ich noch nie zuvor Erfahrungen im Lehren meiner eigenen Muttersprache gesammelt hatte und ich mir dies sehr schwer vorstellte. Die mangelnden Vorkenntnisse waren allerdings gar kein Problem, wie sich im Laufe der Veranstaltung herausstellte.

Die gewählte Umgebung - das Seminarhaus der Dokkyo Universität in Kashi, Fukushima - bot die perfekte Lehrumgebung, da viele der möglichen Ablenkungen, wie Internetzugang und Handyempfang nicht vorhanden waren. Wurden die Pausen zwischen den Unterrichtsstunden nicht für Gespräche über das Thema "150 Jahre Freundschaft zwischen Japan und Deutschland" genutzt, bot die Natur im unmittelbaren Umfeld des Seminarhauses mit Schneeballschlachten oder dem Bauen von Schneemännern genug Abwechslung.

Nach einer kurzen Vorbesprechung mit dem Lehrerteam bot sich bereits nach der ersten Einteilung der Studenten nach ihrem Sprachlevel die Möglichkeit, interaktiv mit den Teilnehmern zu arbeiten. Damit die Lehrer die genauen Sprachkenntnisse der Studenten besser einschätzen konnten, wurde ich gebeten, Fragen zu stellen und kurze Gespräche zu führen. In den folgenden Tagen unterstützte ich gemeinsam mit einem weiteren Praktikanten die Lehrer bei ihrer Unterrichtsführung, indem ich den Studenten meiner Gruppe bei Unklarheiten zur Seite stand und bei Bedarf Denkanstöße lieferte. Da die Gruppe mit nur etwa zehn Schülern angenehm klein war, boten sich für jeden Schüler genug Gelegenheiten, zu Wort zu kommen und aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Auch außerhalb des Unterrichts wurde größtenteils Deutsch gesprochen. Dies wurde oft von den Studenten selbst angestoßen, die hoch motiviert waren, ihre Kenntnisse zu verbessern und jede Gelegenheit zu ergreifen, ihr Deutsch zu üben. So wurden nicht nur die Unterrichtsstunden selbst, sondern auch die Freizeit und der letzte Kneipenabend (übrigens mit kostenfreier Verpflegung an Chips, Süßigkeiten und alkoholischen Getränken!) zu einem lehrreichen und interessanten Erlebnis.

Bedauerlicherweise wurde das Seminar überschattet von dem Tohoku Erdbeben und seinen Folgen am 11. März, weswegen statt der geplanten fünf Tage leider nur drei Tage für das Seminar genutzt werden konnten. Jedoch war ich sehr positiv überrascht von der durchgehend heiteren Stimmung, die bei allen Teilnehmern herrschte, sowie von der Tatsache, dass trotz der Nachbeben und der beunruhigenden Nachrichten von dem Atomkraftwerk in Fukushima die Motivation bei Lehrern und Studenten nach wie vor sehr hoch war. Das Organisationskomitee bewies großes organisatorisches Können, indem eine schnellstmögliche Rückreise arrangiert wurde und zugleich der Lehrplan so abgeändert wurde, dass die bleibende Zeit so effektiv wie möglich genutzt werden konnte.

So wurde trotz dieser negativen Rahmenbedingungen das Juniorenseminar zu einer ausnahmslos positiven Erfahrung für mich. Ich habe so viele nette Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen und ich bin sehr dankbar, die Möglichkeit gehabt zu haben, als Praktikantin teilzunehmen.

 


Vielen Dank!!