Erfahrungsberichte der Praktikantinnen

zum Interuni-Seminar 2013

 

 

 

Das 32. Interuni-Seminar für deutsche und japanische Kultur fand in Nasu vom 13. bis zum 16. März statt und ich hatte die Möglichkeit als einer von sechs Praktikanten daran teilzunehmen. Ich selbst befinde mich momentan im letzten Monat meines Auslandssemesters an der Universität Tsukuba und war sehr erfreut über das Angebot als einer meiner letzten Erfahrungen hier in Japan noch einmal an einem Seminar mit einem so interessanten wie auch wichtigem Thema teilzunehmen: Unsere Zukunft nach dem 11. März.

Am 13. starteten wir früh morgens von Ikebukuro aus mit einem Reisebus in den Norden. Da wir Praktikanten mit den anderen Seminarteilnehmern zusammen in einem Bus saßen, konnten so schon die ersten Worte Deutsch oder Japanisch gewechselt werden und es herrschte direkt von Anfang an eine freundliche, angenehme Atmosphäre, die sich auch die restlichen Tage über halten sollte. Das Gebäude in Nasu war sehr groß und bot eine große Halle für Vorträge und Präsentationen, mehrere kleinere Seminarräume sowie geräumige Tatami-Zimmer, einen großen Esssaal und ein typisch japanisches Gemeinschaftsbad. Jeder Praktikant übernahm eine der sechs Gruppen, die je nach Kenntnisstand der deutschen Sprache eingeteilt wurden. Mir wurde die Gruppe F mit dem höchsten Kenntnisstand zugeteilt. Von der ersten Unterrichtsstunde an hielt sich kaum einer der Studenten meiner Gruppe zurück und alle beteiligten sich mit guten Wortbeiträgen an der Diskussion. Dadurch war es sehr interessant den verschiedenen Diskussionen zum Thema 11. März und Kernenergie sowie deren Alternativen zu folgen. Obwohl ich bereits seit einem halben Jahr in Japan bin, gab es bisher kaum Gelegenheiten über dieses sehr wichtige Thema zu reden weder in der Universität noch mit Freunden und auch in den japanischen Medien findet es momentan kaum Beachtung, insbesondere von keinem kritischen Standpunkt aus. Dabei fand ich es bewundernswert, dass es in meiner Gruppe kaum Schwierigkeiten gab, das, was man sagen wollte, auch tatsächlich auf Deutsch auszudrücken und über Themen zu reden, die eine gewisse Komplexität besitzen. Durch die gemeinsame Zeit in den Unterrichtsstunden, während der Essenszeiten und während der Abende in der extra für das Seminar eingerichteten „Kneipe“ hatte man die Gelegenheit die Gespräche zu vertiefen, Freundschaften zu knüpfen und sich auch ein wenig im Japanischen zu üben.

Leider musste ich schon einen Tag vorher das Seminar verlassen und konnte meine Gruppe nicht ganz bis zum Schluss unterstützen. Dies bedaure ich sehr, vor allem, da ich sehr gerne auch die verschiedenen Präsentationen mir angesehen hätte. Dennoch werde ich das Interuni- Seminar als eine der interessantesten und schönsten Erfahrungen hier in Japan in Erinnerung behalten und kann jedem die Teilnahme – sei es als Student, Praktikant oder Dozent – nur empfehlen. (S.P.)

 

 

Das Interuni- Seminar im Frühling 2013 wurde mit dem Thema „Unsere Zukunft nach dem 11.3“ eröffnet. Auf dem Seminar wurden zahlreiche Aktivitäten vorgenommen, die von den Lehrkräften und von den Studenten organisiert worden sind. Es gab auch interessante Vorträge von Prof. Dr. Zöllner und von den koreanischen Lehrkräften, die hinüber das Thema des Seminars ging. Was mich aber während des Seminars besonders angesprochen hat, war der interkulturelle Austausch zwischen den Teilnehmern, Lehrkräften und Praktikantinnen. Der kulturelle Austausch war nicht nur aktiv wegen der unterschiedlichen Nationalität der Teilnehmer oder wegen der japanischen Teilnehmer, die von unterschiedlichen Regionen kamen.  Jede einzelne Person auf dem Seminar hatte eine eigene Kultur mit sich getragen, sodass mir jede Interaktion zwischen studentischen Teilnehmern oder Praktikantinnen oder Lehrkräfte international bzw. interkulturell erschien.

Der Unterricht bis zur Vorbereitung der Präsentation war gut aufgebaut. Jedes Mal betreute eine andere Lehrkraft den Unterricht, sodass außer dem Lernstoff auch der Unterrichtsstil variiert war. Somit waren die Studentinnen stets im Unterricht dabei und sie haben aktiv mitgemacht. Nur einmal ist mir aufgefallen, dass der Unterricht zu sehr auf das elektronische Wörterbuch basiert war. Das ist mir deshalb aufgefallen, weil die Studentinnen dadurch weniger miteinander gesprochen haben, als der Lehrer vorgeschlagen hat die elektronischen Wörterbücher zu benutzen. Ich verstehe, dass die Zeit damit gespart wird wenn man das elektronische Wörterbuch benutzt. Wenn es jedoch um die Anfänger Klasse geht bin ich der Meinung, dass der Lerneffekt dadurch sinkt. An den studentischen Tag konnte man deutlich den Fortschritt der Studenten und Studentinnen feststellen. Sie haben versucht ihre Deutschkenntnisse, die sie bereits hatten und die sie in den letzten Tagen gelernt hatten, in die Präsentation miteinzubauen. Dass die Gruppen auch alleine gut zurechtgekommen sind lag auch an der gut durchdachten Unterrichtsstruktur. Zum Beispiel hat sich der Einsatz der Lehrkräfte nach der „studentischen Stunde“ zu einem positiven Ergebnis entwickelt, da die Studentinnen nach der Gruppenarbeit doch auf irgendeiner Weise Unterstützung gebraucht haben wobei sie schon sicher in den Themen waren.

Jedoch war der Schritt bis zur Entscheidung der Präsentationsthemas für meine Gruppe etwas schwierig gewesen zu sein. Ich denke, der Grund lag daran, dass sie Schwierigkeiten hatte den Unterrichtsstoff bisher mit dem Thema „Die Zukunft nach dem 11.3.“ zu verbinden. Die Gruppe, die ich betreut habe, war bereits verwirrt als die Themen für die Schlusspräsentation vorgeschlagen wurden. Es war wahrscheinlich deshalb verwirrend für ein paar Studenten, da ein paar von den vorgeschlagenen Themen Oberbegriffe waren und ein paar von den Themen genauer ins Detail ging oder einfach mehr erklärt wurde. Man hätte vielleicht das Problem vermeiden können, wenn man die Themen einheitlich in Oberbegriffen vorgestellt hätte. So können die Studenten ihre Präsentationsthemen auf einer strukturierten Weise entscheiden, indem sie Unterbegriffe suchen und auswählen. So müssen die Gruppen mit dem einfacheren Niveau nicht auf manche Themen verzichten aufgrund ihrer begrenzten Sprachfähigkeit. Nachdem ich alle Präsentationen gesehen habe, war ich mit der tollen Leistung meiner Gruppe sehr zufrieden.

In der Freizeit konnte man am meisten erkennen wer am meisten motiviert war Deutsch zu sprechen. Viele Studentinnen und Studenten haben sich aktiv auf Deutsch mit den Praktikantinnen unterhalten und keiner war scheu.  Als Praktikantin habe ich mich daher auch sehr wohl gefühlt, nicht nur weil die Studentinnen/en mit mir auf Deutsch gesprochen haben sondern weil sie auch viele Fragen über das Leben in Deutschland und über das Studium oder über die Erziehung in Deutschland interessiert nachgefragt haben. Es hat mich wirklich froh gemacht zu hören, dass ein paar Studentinnen wirklich interessiert waren in Deutschland zu studieren, auch wenn sie meinten, dass sie mit ihren Deutschkenntnissen noch unsicher waren. Bei meisten Studentinnen/en habe ich eine solche aktive Einstellung sehen könne, was mir sehr gefallen hat. Durch diese Gespräche außerhalb des Unterrichts war es auch sehr einfach die Studentinnen/en besser kennen zu lernen. Nicht nur im Unterricht wurde mir sehr bewusst wie wichtig die Position als Praktikantin zwischen Studenten, Studentinnen und Lehrkräfte sein kann.

Abschließend möchte ich mich bei Hamazaki sensei und Aizawa sensei des Interuni-Seminars herzlich bedanken, dass sie mir die Gelegenheit als Praktikantin in dem wunderschönen Seminar gegeben haben.  Vielen Dank auch an die Tutoren, die sich um das Organisatorische gekümmert haben, obwohl ein paar von euch auch für die Schlusspräsentationen vorbereiten mussten. Und noch ein dickes Lob an die studentischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. K.S.

 

 

Das Interuni-Seminar ist sicherlich jedes einzelne Mal nicht nur für die studentischen Teilnehmer, sondern auch für die Organisatoren, Lehrer, Tutoren und Praktikanten ein großes Abenteuer. Mit nahezu hundert zum großen Teil Fremden 4 Tage in einem Seminarhaus zusammenzuleben, gemeinsam zu lernen und zu diskutieren mag für so manchen am Anfang etwas angsteinflößend klingen.

Derartige mögliche Bedenken wurden jedoch schnell unnötig. Sofort spürte man den Tatendrang, sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den hochmotivierten Lehrern und Organisatoren.

Ein großer Eisbrecher und eines meiner persönlichen Highlights war der überaus inspirierende und kurzweilige Vortrag von Herrn Professor Zöllner. Nachdem der für so manchen sicherlich auf gewisse Weise schockierende Vortrag verdaut war, zeigte sich in so manchem persönlichen Gespräch der tiefe Eindruck, den der Vortrag hinterlassen hatte. Somit war durch diese Einführung viel Gespräches- und Diskussionsstoff geliefert und schließlich der Grundstein für den Unterricht gelegt.

Im ersten Unterricht, an dem ich teilnahm, wurde dann zu Anfang eine gewisse Scheu sichtbar; sicherlich auch bedingt durch das erste Zusammentreffen mit dem für so manchen komplett neuen interaktiven und Selbstinitiative fordernden Unterrichtsstil.

Jedoch neigte sich der Schleier dieser Schüchternheit wie von Geisterhand. Schon am nächsten Tag war dieses Problem wie weggeblasen. Die Studenten zeigten sich hochmotiviert und aufgeschlossen gegenüber den durchaus kontroversen und schwierigen Themen. Noch hinzu handelte es sich bei vielen der Teilnehmer um Studenten im ersten oder zweiten Jahrtrotzdem stellten sich alle Studenten mutig dem "Kampf" mit der deutschen Sprache. Dieser Mut wurde insofern belohnt, dass die Studenten ausnahmslos innerhalb von nur 4 Tagen sichtbare Fortschritte machten und trotz sprachlicher Schwierigkeiten und komplizierter Inhalte sehr schnell lernten, sich aktiv im Unterricht einzubringen und ihre Meinung klar und verständlich auf Deutsch auszudrücken.

Dies bewiesen dann alle Studenten sehr deutlich in Ihrer begeisterten und engagierten Vorbereitung für die Abschlusspräsentation. Fast übermenschliche Kräfte spannten sich zusammen und in einer bewundernswert fairen Zusammenarbeit, in der jeder einzelne seine persönlichen Stärken einbringen konnten, stellten die Studenten in kürzester Zeit hoch-konzentriert, jedoch mit großem Spaß, inhaltlich durchdachte und auch unterhaltsame Präsentationen auf die Beine.

Die vier Tage haben sicherlich von allen Beteiligten körperlich und geistig viel gefordert, doch hat jeder einzelne ohne Zweifel sehr viel gewonnen. Nicht nur Deutsch-Kenntnisse wurden verbessert, auch ein kritisches Bewusstsein gegenüber gesellschaftlichen und politischen Problemen wurde geschärft.

Eine tolle Erfahrung , die wir alle sicherlich so schnell nicht vergessen werden!  (I.F.)

 

 

Vorweg möchte ich schon einmal sagen, dass mir die Erfahrungen, welche ich während dieses Interuniseminars machen konnte, nicht nur studien-technisch weitergeholfen haben, sondern ich auch die Chance bekommen habe, mich menschlich weiterzuentwickeln. Das war möglich aufgrund des interkulturellen Austausches mit den japanischen Studenten.

Den ersten Tag erlebte ich vor allem als sehr aufregend und ich war sehr gespannt auf die Aufgaben, welche den Praktikanten wohl zugewiesen werden würden. Natürlich war ich auch etwas nervös, da ich bisher nicht sehr viel Lehrerfahrung sammeln konnte, außer im Deutschunterricht an der Fremdsprachenuniversität.

Mir und 2 anderen Professoren wurde die Gruppe C zugewiesen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, weil das mittlere Level für mich immer eine besondere Herausforderung ist. Die erste Unterrichtseinheit erlebte ich als sehr angenehm, da es nur mal eine Art Instruktion war und wir uns nur mal gegenseitig vorgestellt haben.

Der zweite Tag war dann doch sehr intensiv, da der Zeitplan auch ziemlich eng gestrickt war. Doch ich konnte schon bereits jetzt merken, dass ich mich in meiner Position immer wohler gefühlt habe und auch allmählich zu den Studenten mehr Zugang finden konnte. So war es dann auch schon bereits am Nachmittag möglich ein Diskussion über Atomenergie zu eröffnen. Ich war dabei besonders erstaunt, wie eifrig auf einmal die Studenten begannen sich zu beteiligen. Bisher hatte ich an der Fremdsprachenuniversität eher mit großer Passivität seitens der Studenten zu kämpfen. Doch während des Unterrichts am Interuniseminar erlebte ich eine so tolle und vor allem engagierte Klasse wie ich sie zuvor nie in Japan gesehen hatte. Was das Ganze noch mehr abgerundet hat, und mich persönlich darin bestärkte, in Zukunft vielleicht auch eine Lehrposition in Japan zu erwerben, war der Moment als der Professor mich mit den Studenten alleine ließ, um ihnen Freiraum für die Gestaltung ihrer Präsentation zu lassen. Aufgrund dessen konnten die Studenten nun ungestört arbeiten und ich wurde dabei auch ein Teil dieser Gruppe. Meine Aufgabe bestand nun vor allem darin, den Studenten bei der Konstruktion ihrer deutschen Sätze zu helfen. Es war keine leichte Aufgabe, aber gerade diese Herausforderung hat die ganze Erfahrung noch schöner gemacht.

Wir haben uns dann später zusammen noch einige Ausschnitte aus dem Film „die Wolke“ angesehen und darüber diskutiert. Auch hier konnte ich wieder mit großer Freude verfolgen, wie interessiert doch die meisten von meinen Studenten an diesem Thema waren und vor allem hat mich sehr gefreut zu sehen, dass sich junge Leute in Japan doch auch viele Gedanken über die Gefahren von Atomkraft machen. Bisher hatte ich eher das Gefühl, dass dieses Thema totgeschwiegen wird und ein Gespräch darüber so gut wie unmöglich ist.

Am nächsten Tag durfte ich dann noch zusammen mit den Studenten an der Fertigstellung ihrer Präsentation mitarbeiten. Ich war sehr erstaunt über die tadellose Organisation meiner Gruppe und ihre unglaublich tollen Ideen. Teilweise entstanden auch einige Diskussionen die aber dann bald wieder geklärt wurden und das Projekt kam schlussendlich zu einem, von meiner Seite, wundervollen Ergebnis.

Am letzten Tag als die Präsentationen gehalten wurden, war ich auf alle Gruppen sehr, sehr stolz. Nicht nur die Art wie sie präsentiert haben war unglaublich sondern ich war auch sehr über ihr Deutschkenntnisse erstaunt. Als die Präsentation meiner Gruppe dann auch noch als die Beste ausgezeichnet wurde, war ich wirklich sehr zufrieden. Alle haben wirklich ihr Bestes gegeben und einen tolle Präsentation auf die Beine gestellt.

Neben dem Unterricht wurde es mir auch ermöglicht mit unterschiedlichen Leuten über verschiedene Themen zu sprechen, was mir persönlich sehr gut getan hat. Ebenso konnte ich endlich mal ein Sento benutzen (das war für mich das erste Mal) und auf Tatami schlafen. Das waren auch sehr schöne Erlebnisse für mich. Ebenso, dass ich mit einigen Professoren über mögliche Berufe, welche ich in Zukunft in Japan anstreben könnte, sprechen konnte und auch mit einigen Studenten Freundschaft schließen konnte, waren sehr schöne Erfahrungen. Ich habe auch jetzt noch mit einigen Leuten Kontakt und ich hoffe sehr, dass wir bald ein Interuniseminar-Treffen organisieren können.

Insgesamt betrachtet war das Interuniseminar eine großartige Erfahrung für mich. Es war teilweise zwar etwas stressig aber ich habe die Zeit zusammen mit allen anderen sehr genossen und konnte endlich sehen wie engagiert einige junge Leute in Japan sein können. Über dieses Thema zu sprechen, und auch über andere eher kontroverse Themen, soll und darf kein Tabu sein und hoffe wirklich, dass sich das in den nächsten Jahren in Japan ändern wird. Ich habe durch dieses Seminar aber wirklich nun die Hoffnung, dass es viele junge Menschen gibt die sich mit diesem Thema aktiv befassen wollen. Ich danke an dieser Stelle auch sehr den Organisatoren für ihre großartige Arbeit und allen anderen für ihre aktive und tolle Zusammenarbeit. Ich hatte sehr viel Freude daran teilzunehmen und hoffe sehr, dass ich auch im Sommer beim nächsten Interuniseminar dabei sein kann. (S.M.)