Berichte der PraktikantInnen

Die Studierenden aus Deutschland, die als PraktikantInnen am Interuni-Seminar teilgenommen haben, haben folgende Berichte geschrieben und an die Organisatoren geschickt. Die Organisatoren bedanken sich noch einmal ganz herzlich fur die hervorragende und einfuhlsame Mitarbeit am Seminar!

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Bericht 1 (C.Z.)

Im Rahmen meiner Unterrichtsassistenz im Deutschunterricht an der Fremdsprachenuniversitat Tokyo wurde ich auf das Inter-Uni Seminar in Nasu aufmerksam gemacht und habe mich daraufhin als Praktikantin beworben. Ich freute mich sehr als ich angenommen wurde, denn ich finde es eine einzigartige Moglichkeit gemeinsam mit Studenten aus den verschiedensten japanischen Universitaten gemeinsam auf Deutsch zu sprechen und gemeinsam zu lernen.

Das Inter-Uni Seminar war ein 5-tagiges Seminar indem die Studenten unterschiedlicher Altersgruppen und Sprachniveaus intensiv deutsch sprachen und uber das Thema ?In 10 Jahreng diskutierten. Das Thema war sehr breit gefasst, wir diskutierten sowohl uber Japans Zukunft als auch uber die Zukunft im Allgemeinen. Es war schon zu sehen wie toll die Studenten uber so ein schwieriges Thema diskutieren konnten.

Zu meinen Aufgaben zahlten die Unterstutzung der Lehrer im Unterricht sowie eine Hilfe fur die Studenten zu sein falls es Vokabelfragen oder sonstige Fragen gibt. Daher hielt ich mich den ganzen Unterricht uber zwischen den Studenten auf um bei Fragen gleich zur Stelle zu sein. Ich wurde von Anfang an in alle unterrichtsrelevanten sowie organisatorischen Tatigkeiten miteingebunden und obwohl ich nur Praktikantin war durfte ich sogar bei der Einstufung der Studenten mitarbeiten. Ich fand es toll wie sehr ich integriert wurde, obwohl ich gar kein richtiger Lehrer war.

Hauptsachlich sollte die Kommunikation auf Deutsch stattfinden, was ich wahrend des gesamten Seminars sowohl wahrend des Unterrichts, als auch danach mit meinen Zimmerkolleginnen oder bei sonstigen Gesprachen berucksichtigte. Ich versuchte bei Verstandnisproblemen immer zuerst andere Worte zu finden bevor ich auf die japanische Sprache zuruckgriff, was Grosteils sehr gut funktionierte. Ich war  vor allem sehr begeistert von der Motivation und dem Engagement der Studenten. Auch wenn sie erst in den Anfangergruppen waren hatten sie groses Interesse so viel wie moglich auf Deutsch zu sprechen und waren sehr wissbegierig. Da sie sonst nicht so oft die Gelegenheit haben mit einem Muttersprachler auf Deutsch zu sprechen nutzten sie die Gelegenheit und haben meiner Meinung nach grose Fortschritte gemacht. Vor allem bei meiner Gruppe, eine der Fortgeschrittenen habe ich die Verbesserungen tagtaglich im Unterricht miterlebt. Wahrend sie zu Beginn eher zogerlich auf Deutsch sprachen, waren manche gegen Ende der Woche kaum noch zu stoppen.

Es war fur mich sehr uberwaltigend dies zu sehen und ich bin sehr froh, dass ich erste Erfahrungen im Bereich der Lehrtatigkeit machen konnte. Obwohl es anstrengend war, wurde ich jederzeit wieder am Inter-Uni Seminar teilnehmen, denn es ist eine einzigartige Erfahrung mit so engagierten Studenten zusammenarbeiten zu konnen. Ich habe im Unterricht gemerkt wie sie immer selbstsicherer wurden und ihre Scheu vor der Sprache verloren hatten und genau das ist das Wichtigste beim Sprachen lernen, keine Angst mehr zu haben, sondern einfach zu sprechen.

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Bericht 2 (J.S.)

Vom Interuniseminar habe ich von einem Deutschlehrer meiner Austauschuniversitat erfahren, bei dem ich im Wintersemester als Teaching Assistant geholfen habe und der auch bei diesem Interuniseminar beteiligt war.

Am Fruhjahrsseminar 2015 haben ca. 80 Personen aus vier Landern (Deutschland, Japan, Korea und Osterreich) teilgenommen. Aufgrund dieser Anzahl und der sehr unterschiedlichen Sprachniveaus der Teilnehmenden war es notwendig, sie entsprechend in Gruppen einzuteilen. Erst wurde anhand der Lernjahre eine Grobeinteilung durchgefuhrt und dann wurde nach der Ankunft am Seminarort durch Testen der mundlichen Ausdrucksfahigkeit der Studierenden im Dialog von Lehrern und Praktikanten eine Feineinteilung vorgenommen.

Dadurch entstanden feste Gruppen, deren Zusammensetzung abgesehen von Versetzungswunschen einzelner Studenten nicht weiter verandert wurde. Diesen Gruppen war jeweils ein Praktikant zugeteilt, der den Teilnehmern sowohl wahrend der Unterrichtszeit als auch am studentischen Tag und bei der Vorbereitung auf die Prasentation zur Seite stand. So verbrachte man viel Zeit mit seiner Gruppe. Das hatte einerseits den Vorteil, dass es zu intensiverem Kontakt mit den Studenten kam, was sonst bei einer so grosen Gruppe kaum moglich gewesen ware. Nachteilig wirkte es sich allerdings insofern aus, dass zu anderen Studenten der Kontakt eher fluchtig und oberflachlich war.

Das Thema des diesjahrigen Fruhjahrsseminars lautete ?In zehn Jahren ? 10g. Nachdem es am ersten Tag hauptsachlich ums Kennenlernen der anderen Teilnehmer ging, wurde an den folgenden Seminartagen die Zukunft in zehn Jahren aus unterschiedlichsten Blickwinkeln in den Fokus genommen.

Jeder Unterricht wurde von einer anderen Lehrkraft zu einem anderen Unterthema durchgefuhrt. Das hat mir besonders gut gefallen, da die Studenten so auch verschiedene Unterrichtsstile und Blickwinkel prasentiert bekamen. Allerdings ist es in den Deutschanfangerkursen an meiner Austauschuniversitat auch ublich, mehrere verschiedene Deutschlehrer zu haben. Fur andere Studenten war es allerdings vielleicht eine neue Erfahrung.

Da die Lehrer und Praktikanten aus verschiedenen Teilen des deutschen Sprachraums kamen und ich mich sehr fur sprachliche Variation interessiere, wollte ich die Gelegenheit nutzen, den Deutschlernern verschiedene Varianten vorzustellen. Letztendlich waren wir vier Dialektsprecher (Alemannisch, Hessisch, Osterreichisch und [auch wenn offiziell kein Dialekt] Plattdeutsch) und konnten einmal wahrend des Mittagsprogramms eine kleine Einfuhrung geben und am Donnerstag bei der Abschlussfeier einen Dialog, in dem jeder in seinem Dialekt spricht, vorstellen.

Am studentischen Tag war ich bei meiner Gruppe zu Anfang etwas besorgt, weil die Studenten es schwer hatten, sich auf ein Thema zu einigen, die Vorbereitung nicht richtig in Gange kam und sie  zusatzlich darauf bestanden, erst alles auf Japanisch zu besprechen und aufzuschreiben, wodurch ich auch nur relativ wenig helfen konnte. Dann wurde aber zweimal hintereinander bis weit nach Mitternacht am Projekt gearbeitet und die Gruppe hat doch noch ein uberraschend gutes Ergebnis geliefert.

Bei den Prasentationen am letzten Tag fiel mir besonders die vergleichsweise hohe Qualitat der Vortrage aus den Gruppen mit niedrigerem Sprachniveau auf. Auch wenn man die Hilfestellungen der Praktikanten mit einbezieht, fand ich die Ergebnisse beeindruckend. Die Themen der Prasentationen fand ich in der Hinsicht uberraschend, dass sie mich nicht wirklich uberrascht haben. Ich hatte erwartet, dass auch Themen angesprochen werden, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Aber ?Energiegewinnung/Kernkraftg, ?Familieg etc. waren bekannt und auch die vorgebrachten Ideen waren mir nicht fremd. Dies soll keine Kritik an den Teilnehmern oder ein Vorwurf mangelnder Kreativitat sein. Ich finde es vielmehr sehr interessant zu beobachten, wie ahnlich sich die Ideen und Gedanken sind, welche die Studierenden aus den vier Landern bewegen.

Zur der Verpflegung mochte ich auch noch lobend erwahnen, dass trotz meiner speziellen Wunsche immer etwas passendes Schmackhaftes zubereitet wurde und ich haufig sogar von anderen Seminarteilnehmern beneidet wurde.

Auch wenn die funf Tage durch den Einsatz quasi rund um die Uhr ziemlich anstrengend waren, bin ich sehr froh daran teilgenommen zu haben und hoffe, dass sich in der Zukunft noch einmal die Gelegenheit bieten wird.

 

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Bericht 3 (M.P.)

Zwischen dem 9.Marz und 13.Marz 2015 fand wieder das Inter-Uniseminar in Nasu statt; dieses Jahr mit dem Thema ?In 10 Jahreng. Ich hatte die Moglichkeit an diesem Seminar als Praktikantin teilzunehmen, an dem auch 63 japanische Studenten und Studentinnen aus verschiedenen Universitaten und 2 koreanische Gaststudenten teilnahmen. Weiterhin gab es noch 5 andere Praktikanten und Praktikantinnen, mit denen ich die Aufgabe hatte, die Studenten beim Deutschlernen zu unterstutzen, bei der Prasentation mitzuhelfen, die die Studenten am Ende der Woche halten sollten, sowie den Lehrenden beim Unterrichten zur Hand zu gehen (Materialien besorgen, bei Gruppenarbeiten den Studenten helfen etc.)

Begonnen hat das Seminar mit der Einteilung der Studenten und Studentinnen in 6 Gruppen, bestehend aus jeweils 10-12 Studenten, die etwa ein gleichen Sprachniveau besasen. Hierzu sollten die Studenten und Studentinnen uber verschiedene Themen ihre Meinungen auf deutsch ausern und diskutieren. Nach der Einteilung begann der Unterricht mit dem Uberthema ?In 10 Jahreng. Je nach Lehrendem wurde dieses Thema unterschiedlich interpretiert, andere Bereiche des Lebens besprochent und verschiedene Moglichkeiten, wie die Welt sich in 10 Jahren verandert wird, betrachtet.

Neben dem Unterricht gab es desweiteren den sogenannten ?Korea-Abendg, bei dem uns die politische und gesellschaftliche Situation Koreas durch die koreanischen Gaststudenten mitteilt wurde. Desweiteren gab es einen Vortrag am darauffolgendem Abend, der uns sensibelisierte, dass wir alle dieZukunft mitgestallten und auch aktiv daran teilnehmen sollten. Als Schwerpunkt hatte dieser Vortrag auch, welche Kompetenzen fur diese Mitgestaltung notwendig sind.

Am Mittwoch gab es den sogenannten ?Studentischen Tagg an dem jede Gruppe die eigene Prasentation fur die Abschlussveranstaltung am Freitag vorbereitet hat. Dafur haben die Gruppen sich im Bezug auf das Seminars-Thema ein Thema ausgesucht und einen Vortrag, Theaterstuck oder Ahnliches ausgedacht und vorbereitet. Hierbei sollten wir Praktikanten Hilfestellung leisten und den Studenten beim Ausformulieren auf Deutsch helfen und, falls es notig war, Denkanstose geben. Diese Vortrage wurden am letzten Morgen, kurz vor der Abfahrt, prasentiert und jede Gruppe hat je nach ihren Moglichkeiten in Deutsch ihre Meinungen erfolgreich zum Ausdruck gebracht.

Fur mich war dieses Seminar eine tolle Moglichkeit und Erfahrung, da ich in Deutschland auf Lehramt studiere. Bei diesem Seminar hatte ich somit die Moglichkeit verschiedene Lehrmethoden aus erster Hand zu sehen, einen Eindruck zu bekommen, wie viel man in einer Stunde schaffen kann und am Wichtigste: ich hatte die Moglichkeit am Austausch von verschiedenen Meinungen teilzunehmen. Ich bin fur diese Moglichkeit und die Erfahrungen, die ich wahrend dieses Seminars sammeln konnte sehr dankbar.

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Bericht 4 (O.U.)

Ohne richtig zu wissen, was das uberhaupt ist, habe ich mich Anfang Marz kurzfristig dazu entschlossen, beim Interuni-Seminar teilzunehmen. Kurze Zeit spater sitze ich in einem Bus nach Nasu in Tochigi, wo ich funf Tage lang versuchen werde, als Lehrer-Assistent Japanern Deutsch beizubringen.

Nach der Ankunft werde ich meinem Zimmer zugewiesen, wo ich meine Zimmermitbewohner kennenlerne, die alle auf unterschiedlichem Niveau Deutsch deutsch sprechen konnen. Kurz darauf werden die Japaner auf ihre Sprachkenntnisse getestet, und entsprechend ihrer Fertigkeit in die Gruppen A-F eingeteilt.

Von nun an werde ich der Praktikant fur Gruppe B sein, deren Lehrer in jeder Unterrichtseinheit wechselt. Zwar kann ich die lediglich in Kanji (ohne Hiragana) geschriebenen Namen meiner Gruppe nicht lesen, trotzdem weis ich im Laufe der Zeit, bei wem welche Starken und Schwachen liegen. Da die Schuler meiner Gruppe B noch am Anfang stehen, was das Lernen der Sprache betrifft, helfe ich oft dabei, unbekannte deutsche Worte auf japanisch zu erklaren, oder auf japanisch  beschriebene Worte auf deutsch zu ubersetzen. Das hilft meinem japanisch ebenso, wie es den Japanern hilft Deutsch zu lernen. Trotzdem versuche ich, so wenig wie moglich auf japanisch zu reden, schlieslich geht es nicht primar darum, dass ich japanisch lerne.

Der Alltag besteht aus meist zwei Unterrichtseinheiten, Fruhstuck, Mittags-, und Abendessen, sowie verschiedenen Freizeitaktivitaten wie Sport, Vorstellung und Lernen deutscher Dialekte, Einstiege in die Umgangssprache, oder deutsche Zungenbrecher. Nach dem Abendessen kann man sich beim Entspannungsbad im Onsen erholen, um abschliesend bei einem Bier oder Wein (falls Volljahrig) in der Kneipe den Tag abzuschliesen. Die Kneipe bietet auserdem die perfekte Gelegenheit, fernab des Lernstoffes mit Anderen zu reden und erfreut sich daher jedes Mal groser Beliebtheit. ?Nacht in Palermog avancierte auserdem zum Geheimtipp fur einen gelungenen Abend.

Neben zahlreichen Japanern nahmen auserdem drei Koreaner am Interuni-Seminar teil, die in einem Abendprogramm sehr offen uber die Beziehung von Japanern und Koreanern reden, was ich auf Grund der Ehrlichkeit sehr interessant fand.

Das Motto des Interuni-Seminares ist die Zukunft, dementsprechend dreht sich der Unterricht um Roboter, Zukunftsplane und Lebenslaufe. Am Donnerstag horen wir auserdem einen Vortrag von Herrn Zollner der Universitat Bonn daruber, der meiner Interpretation zu Folge die Schuler zum Nachdenken uber die eigene Zukunft anregen soll und darum, dass man selbst seines Gluckes Schmied ist. Am Abschiedsabend gab es dann eine kleine Party mit warmem Essen.

Am letzten Tag hatte zudem jede Gruppe die Aufgabe, uber das Motto des Seminares ein kurzes Schauspiel vorzutragen, wobei es jeder Gruppe frei stand, wie dies zu gestalten ist, solange jeder einmal spricht. So gab es letztendlich vom Auftritt Godzillas im Kampf fur die Abschaltung der Atomkraftwerke uber den Einsatz von Robotern im Alltag der Zukunft bis hin zum Einfluss Deutschlands auf japanisches Essen in Form von Sauerkraut-Onigiri viel zu sehen.

Abschliesend wurde uns Praktikanten, den teilnehmenden Lehrkraften, den Leitern des Seminares, sowie den japanischen Vertrauenspersonen und Hausmeisterpaar Dank ausgesprochen, bevor nach etlichen Abschlussfotos in zwei Bussen die Heimreise nach Tokyo angetreten wurde.

Insgesamt hat mich der Aufenthalt in Nasu sehr positiv uberrascht. Trotz vollem Stundenplan blieb genug Zeit fur zwischenmenschliche Kommunikation. So hat sich sowohl innerhalb meiner Gruppe B, als auch in meinem Schlafsaal und meinen Mitbewohnern in diesen knapp funf Tagen eine starke Gruppendynamik gebildet, in der ich mich sehr heimisch gefuhlt habe. Zwei Tage bevor ich diesen Bericht geschrieben habe, habe ich mich auserdem mit vielen Teilnehmern im Izakaya in Tokyo fur eine kleine Reunion getroffen.Ich denke nicht, dass irgendjemandem die Zeit nicht gefallen hat, da viele auch nicht zum ersten Mal dabei waren, und wohl auch nicht zum letzten Mal dabei waren.

Auserdem hat mir die Rolle als Assistent gefallen. Einerseits, da ich durch den stetigen Lehrerwechsel verschiedene Unterrichtsmethoden der unterschiedlichen Lehrer beobachten konnte, und andererseits, dass ich von den Lehrern als gleichstehend behandelt wurde, was mir ein gutes Gefuhl gab.

Falls ich zur Zeit des nachsten Interuni-Seminares noch in Japan bin, werde ich auf jeden Fall wieder daran teilnehmen wollen!


PraktikantInnen des 34. Interuniseminars


cOrganisationskomitee des Interuni-Seminars 
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